Archiv für die Kategorie ‘Schreibschule’

Der Weg (B10)

Dienstag, März 10th, 2009

Wie versprochen, hier nun ein Text für euch :) Vielen Dank, dass ihr mich weiterhin so wundervoll begleitet und ermuntert!

Bis bald

Eluin

Der Weg
Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass mich hier jemand findet. Doch da stand sie, kniff die Augen zusammen und beschattete sie mit der linken Hand. Ihre rötlichen Locken wirbelten im Wind durcheinander. Immer wieder strich sie einzelne Strähnen hinter die Ohren und verzog das Gesicht, wenn sie erneut von einer gekitzelt wurde. Als sie mich betrachtete, lächelte sie.
“Du weißt doch ganz genau, dass du dich vor mir nicht verstecken kannst.”
Innerlich seufzte ich. Ich wusste es. Und dennoch hatte mich die Hoffnung fortgetrieben. Fort ans Meer.
Der Ozean glitzerte im Sonnenlicht und versprach eine Freiheit, die ich nie erreichen würde.
“Also, was suchst du hier draußen?”
Ich zuckte mit den Schultern und schwieg. Ich musste einen anderen Weg finden ihr zu entkommen.
“Dann komm. Gehen wir zu den anderen zurück.” Ihre Augen leuchteten auf, als sie mir eine Hand entgegenstreckte.
Selbst ihr Lächeln wirkte nun nicht mehr einschüchternd, sondern warm und vertrauenswürdig. In ihrem blassblauen Leinenkleid, das zu groß wirkte und sich im Wind um ihren Körper bauschte, sah sie beinahe verletzlich aus. Wie so oft war ich bereits auf diesen Anblick hereingefallen.
Ich ergriff ihre Hand und bemühte mich zu lächeln.
“Und nun versprich mir bitte, dass du nie wieder so weit wegläufst.” Sie drückte meine Hand und blickte mich an.
Ich hatte das Gefühl, ihr Blick konnte mir meine Geheimnisse entlocken, und so senkte ich den Kopf.
“Weißt du, ich mache mir Sorgen um dich und ich möchte doch nicht, dass dir etwas passiert.”
Ich nickte nur und folgte ihr. Verschwommen nahm ich wahr, wie die Wellen leiser wurden. Der Untergrund veränderte sich und aus dem Sandstrand wurde ein Kiesweg, der von Gräsern und Wegerichgewächsen gesäumt wurde. Bald traten wir in eine Welt aus Schatten und stickiger Luft ein. Staubkörnchen tanzten in den vereinzelten Strahlen des Lichts. Es roch nach Moos und feuchter Erde.
Nicht mehr weit und wir hatten ihr Ziel erreicht. Wie konnte ich das nur zulassen? Ich wollte nicht länger dort bleiben. Ich wollte frei sein und spüren, dass ich lebte. Jeden Tag wurde es schlimmer. Alles wich immer weiter vor meinen Sinnen zurück, erschien mir wie in einem Traum. Auch sie erschien mir unnahbar. Irgendwie verschwommen und doch so real.
Ich konnte nicht weiter gehen. Ohne dass ich es befohlen hatte, blieben meine Füße stehen.
“Was ist mit dir?” Sie hielt inne und betrachtete mich.
Wieder schwieg ich.
“Wie soll ich dir denn helfen, wenn du nicht mit mir redest?”, voller Traurigkeit blickten ihre Augen in die meinen. Sie legte ihre Hand auf meine Wange und streichelte meine Bartstoppeln.
Ich zuckte mit den Schultern. Ich hatte ihr nichts zu sagen.
Sanft zog sie an meiner Hand. Widerwillig folgte ich ihr. Ich wusste, wenn ich das Haus auf der Waldlichtung betrat, war ich ihr Gefangener.
Schritt für Schritt näherten wir uns der Lichtung. Es wurde dunkler und das Knacken im Dickicht lauter. Ich hasste die Dunkelheit. Ständig zeigte sie mir, dass ich schwach war. Ich konnte mich in ihr nicht orientieren und schnell meinen Weg verlieren. Auch lauerten unbekannte Gefahren in ihr, die ich zwar hören, aber niemals sehen konnte.
Ich musste zurück ins Licht. Die Farben warteten auf mich. Aber wenn ich mich nicht beeilte, würden auch diese verschwinden. So wie meine Freunde und meine Familie.
Sie war die einzige, die mich nicht verlassen hatte und mir immer wieder versprach “zu den anderen” zu gehen. Doch nie kamen wir dort an. Immer führte sie mich in die Dunkelheit hinein bis zu dem Haus auf der Lichtung und stellte mich vor die Wahl.
Auch heute folgte ich ihr weiter. Später würde ich wieder gehen, mir einen Platz in der Sonne suchen und hoffen, dass sie mich nicht wieder findet. Doch sie fand mich jedes Mal. Ein ewiger Kreislauf. Ich wusste nicht, wie oft ich ihr nun schon zur Lichtung gefolgt war, um dann wieder fortzugehen. Jedes Mal hoffte ich, dass es das letzte Mal sei. Stetig nagten die Zweifel an mir. Folgte ich ihr auch dieses Mal nur, um wieder den Kreis zu schließen?
Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog und ein leichtes Kribbeln über meine Haut lief. Ich war gleichzeitig nervös, aber auch freudig gespannt. Würde alles so sein wie immer?
Entschlossen lief ich weiter und folgte ihr.

Als wir die Lichtung erreichten, begann es zu regnen. Es war das erste Mal, dass sich an diesem Ort das Wetter veränderte. Feinste Regentropfen benetzten unsere Gesichter. Ich konnte nicht sagen, ob es angenehm war, nach dem erhitzenden Marsch. Denn schon wenige Augenblicke später verwandelten sich die Tropfen in einen Wolkenbruch und durchnässten uns bis auf die Haut.
“Da wären wir. Wollen wir hineingehen?” Sie lächelte mich an und löste ihre Finger von meiner Hand.
Ich blieb stehen. Das Haus duckte sich wie jedes Mal unter den Ästen einer Eiche. Die einst schmückenden Ornamente an den Säulen der Veranda, über der Tür und den Fenstern, waren verblichen, von Wetter und Wind ausgehöhlt. Nun wirkten sie vielmehr wie Fratzen aus einem Alptraum. Moos wuchs auf den Dachschindeln und dem vermodernden Holz von Veranda und Außenwänden.
“Ich werde uns einen Tee aufsetzen.” Sie winkte mir und lief in Richtung Haus. Ehe ihre Füße die erste Stufe berührten, schien es, als würde sie schweben. Wie ein Geist verschwand sie in der Eingangstür, auch wenn sie diese zuvor öffnete.
Wenige Augenblicke darauf glommen Lichter im ganzen Haus auf. Heute erschienen sie nicht grell und abstoßend, sondern warm und einladend.
Sollte ich ihr folgen? Ein warmer Tee klang verlockend und überhaupt, dieses Mal schien alles anders. Der Regen, die Lichter, ihre Einladung zum Tee…
Sie hatte mich nicht mehr vor die Wahl gestellt. Wähle die Einsamkeit oder das Leben unter Freunden. Wähle Traum oder Wirklichkeit. Ohne dass ich verstand, was sie damit sagen wollte, verschwand sie jedes Mal im Haus.
Aber heute brauchte ich nicht zu wählen und mich zu fragen, für was ich mich entschieden hatte. Heute regnete es und sie lud mich zum Tee ein. Klare Worte, die ich deuten konnte. Doch vielleicht war dies alles ein Trick? Wollte sie so mit mir spielen und ihre Macht beweisen?
Der Regen hatte mich vollkommen durchnässt. Wenn ich so fortlaufen würde, wäre eine Erkältung – oder gar eine Lungenentzündung – unausweichlich. Betrat ich das Haus, konnte ich mich ausruhen, aufwärmen und in Ruhe über meine Situation nachdenken. Auch wenn ich das Haus zuvor niemals betreten hatte, wusste ich, dass ich der Einladung folgen wollte. Deshalb folgte ich dem Trampelpfad zum Eingang.
Je näher ich kam, umso mehr schien sich das Haus zu verändern. Der Pfad unter mir wurde fest und zu einem gepflasterten Weg, der von Beeten gesäumt wurde. Auch das Moos wich. Herabgefallene Schindeln fanden ihren Platz zwischen den anderen. Die Wände glänzten, als wären sie vor wenigen Tagen gestrichen worden. Die Ornamente erstrahlten in neuer Pracht und sogar ein paar Blumenkästen standen in voller Blüte auf der Veranda.
Es war faszinierend, die Veränderungen zu beobachten.
Als ich das Haus betrat, roch es nach Früchtetee und frisch gebackenem Kuchen. Neugierig folgte ich dem Duft und kam in ein gemütliches Wohnzimmer. Bücherregale und Wandteppiche zierten die Wände. Ein Kaminfeuer prasselte und ein Lehnstuhl lud zum Ausruhen ein.
Ich konnte sie nirgends entdecken, also beschloss ich im Lehnstuhl auf sie zu warten.
Gerade als ich mich setzen wollte, klirrte es hinter mir.
“Du bist zurück!”
Als ich mich umblickte, stand sie in der Tür, ein Tablett mit Kuchen und Tee vor ihren Füßen. Tränen stiegen ihr in die Augen.
Verwirrt betrachtete ich sie und ließ mich tiefer in den Sessel sinken.
Plötzlich lief ein kalter Schauer über meinen Rücken und ich stieß auf etwas Unnachgiebiges.
Ich drehte den Kopf und blickte in mein bleiches Gesicht. Ich wollte aufspringen, doch es war zu spät. Ich hatte die Kontrolle über meinen Körper verloren. Für einen Wimpernschlag war ich ganz leicht und hatte das Gefühl zu schweben. Im nächsten Moment befand ich mich in einem Strudel, der mich unausweichlich nach unten zog, so sehr ich mich auch dagegen wehrte.
Ich merkte noch, wie ich kippte, doch danach hüllte eine undurchdringbare Schwärze mich ein.

Ich weiß nicht, wie lange ich weg war, doch als ich wieder zu mir kam, spürte ich ihren Atem an meinem Gesicht. Ich öffnete die Augen und blickte in die ihren.
“Willkommen zurück”, flüsterte sie und richtete sich auf. Eine Träne tropfte auf meine Wange und holte mich in die Wirklichkeit zurück. Sie trug immer noch das blassblaue Kleid. Wenn sie sich bewegte, raschelte es. Nach wie vor schien es ihr zu groß zu sein.
Als sie meinen Blick bemerkte, sprach sie unter Tränen: “Sie hatten keinen anderen Kittel in meiner Größe.”
Ich nickte und versuchte mich zu orientieren. “Wo bin ich?”, krächzte ich. Mein Mund war trocken und meine Stimmbänder schienen aus der Übung zu sein.
“Du bist im Krankenhaus. Die Ärzte haben es schon beinahe nicht mehr für möglich gehalten, dass du aus deinem Koma wieder aufwachst. Aber ich habe niemals die Hoffnung aufgegeben.”
Müde nickte ich, auch wenn ich nicht verstand.
Die Tür des Zimmers öffnete sich. “Wie geht es Ihnen heute? Wie ich sehe, hat Ihre Frau, als Wächterin der Träume, ganze Arbeit geleistet.” Ein Mann in weißem Kittel trat ein und begann mich zu untersuchen.
Mir war schwindelig und immer wieder hallten die Worte Ihre Frau durch meinen Kopf. Ich spürte, wie sie meine Hand drückte. Sie zitterte, versuchte aber es zu verbergen.
Ja, das war meine Susan. Schlagartig war die Erinnerung wieder da. Ich hatte in unserem Garten einen Baum gefällt. Es raschelte und ein dumpfer Schlag verdunkelte mein Bewusstsein.
“Warst du die ganze Zeit hier?”
“Ja, jeden Tag einige Stunden. Die Ärzte sagten, eine vertraute Stimme könnte dir helfen, den Weg zurückzufinden.”
Wieder nickte ich. “Dann warst du also die Frau aus meinem Traum? Und ich habe schon gedacht, eine böse Hexe würde mich gefangen nehmen. Ständig wollte ich fliehen.” Ich musste lächeln. Nun wusste ich, vor welcher Wahl ich die ganze Zeit gestanden hatte.

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Die Bahn kommt (B8)

Mittwoch, August 27th, 2008

Jeden Morgen dasselbe. Warten auf den Zug, hoffen, dass Bus und Bahn pünktlich sind. Und doch vergesse ich dabei allzu gern, dass Bahnfahrten wahre Abenteuer sein können…

Gleis 7 wird verlegt
Ich war mal wieder unterwegs zur Uni. Es muss Frühjahr oder Sommer gewesen sein. Ich kann mich nicht mehr an den Tag erinnern, aber ziemlich genau, was ich dort erlebt habe.
Ich hatte noch Zeit, ehe der Zug einfahren würde. Ich lehnte mich wie jeden Morgen an das Treppengeländer an Gleis 7 in Richtung Düsseldorf und betrachtete die umstehenden Personen. Rechts von mir stand eine Gruppe Teeniemädels, die sich lautstark unterhielten. Wenn ich mich nicht irre, gehörten sie zu einer Schulklasse, die ebenfalls auf dem Weg nach Düsseldorf war. Wie jeden Morgen zu Zeiten des Pendlerverkehrs war es ziemlich voll, doch Einzelheiten der anderen am Bahnsteig sind mir nicht im Gedächtnis geblieben. Auch weiß ich nicht mehr, worüber die Mädels geredet hatten. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich darüber nachdachte, im Zug weiter am Brief für Janett zu schreiben. Aber noch fehlte mir der richtige Funke. Etwas, was ich außerhalb vom normalen Unialltag berichten konnte.
Dann fuhr der Zug ein. Und mit ihm fand ich den nächsten Abschnitt für meinen Brief…
Der Zug kam quietschend zum Stehen. Mehrere Versuche waren wieder nötig, damit sich die schweren, alten Türen öffneten und die Fahrgäste auf das Gleis strömen konnten. Die am Bahnsteig Wartenden scharrten sich in der Zwischenzeit in Trauben um die Türen und hofften einen Sitzplatz ergattern zu können.
„Der hätte aber näher heran fahren können“, drang es an mein Ohr. Ich blickte die Mädels neben mir überrascht an. Neugierig verfolgte ich die Reaktionen der anderen. Sie nickten und bestätigten die Aussage. Der Spalt zwischen Gleis und Treppe zum Zug sei wirklich viel zu groß. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Wir müssen also etwas Neues erfinden. Schienen sind nicht mehr machbar, da Schickimicki-Mädels in Stöckelschuhen den Abstand nicht überwinden können. Sie sind wohl zu sehr Niederflurbusse gewöhnt, deren Rampen bis zu ihren Zehenspitzen abgesenkt werden. Also verlegen wir doch lieber das Gleis und alle Anwesenden sind glücklich.
Innerlich immer noch lachend stieg ich in den Zug und freute mich, ein neues Thema für meinen Brief zu haben.

Uni auf Umwegen

Normalerweise brauche ich eineinhalb Stunden zur Uni. Doch am ersten Tag der Fußballweltmeisterschaft 2006 sah es ganz anders aus. Ich mag so schon keinen Fußball, aber an diesem Tag habe ich dieses Spiel einfach nur verflucht. Und ja, diesmal hatte die WM eindeutig etwas mit den Verspätungen der Bahn zu tun. Sonderzüge fuhren, zahlreiche extra Regionalexpresse waren im Einsatz und so weiter. Wahrscheinlich das ganze Aufgebot an Zügen, das die Bahn in ihren Garagen und Werkstätten stehen hatte. Auch während der Hauptpendlerzeit waren natürlich all diese Loks im Einsatz, obwohl die Spiele erst am Abend beginnen würden.
Am besten beginne ich wohl von vorne zu erzählen, was mir an diesem Tag widerfuhr.
Gegen elf Uhr machte ich mich wie jeden Freitag auf den Weg zur Uni. Normalerweise kam ich mit meiner Verbindung mehr als pünktlich zur Praktikumsvorbesprechung an. Bis zum Oberhausener Hauptbahnhof lief auch alles so, wie es sollte. Nein, eigentlich bis zum Duisburger Hauptbahnhof.
Doch dort kam die erste Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste, leider verzögert sich unsere Weiterfahrt, da die Gleise vor uns besetzt sind. Es führen zwei Gleise nach Düsseldorf und eines davon ist gesperrt. Wir bitten die Verspätung zu entschuldigen.“
Nun gut. Ein paar Minuten sind kein Weltuntergang. Damit kann ich leben, selbst wenn ich dadurch die Vorbesprechung verpassen sollte. Also vertiefte ich mich wieder in mein Buch und wartete, dass es weiterging.
Irgendwann war es dann auch so weit. Die Türen wurden geschlossen und der Zug zog an. Weiter ging es Richtung Düsseldorf. Doch weitaus langsamer als gewohnt. Aus zwanzig Minuten wurden vierzig und mehr.
Kurz vorm Düsseldorfer Flughafen kam eine weitere Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste, die Einfahrt in den Düsseldorfer Flughafen verzögert sich leider. In einem der Gleise ist eine Lok liegen geblieben und deshalb müssen die Züge nun im Blockabstand in das zweite Gleis einfahren. Wir bitten dies zu entschuldigen.“
Die Vorbesprechung konnte ich somit vergessen. Hauptsache, ich kam noch zum Praktikum pünktlich. Vom Flughafen aus waren es ja keine fünf Minuten mehr zum Hauptbahnhof.
Langsam, alle nacheinander fuhren wir dann in den Bahnhof vom Flughafen ein. Doch auch hier sollte eine böse Überraschung folgen.
„Sehr geehrte Fahrgäste, unsere Lok kann leider nur noch mit fünf Stundenkilometern fahren. Wir bitten sie am Düsseldorfer Flughafen auszusteigen, damit die Lok abgestellt werden kann. Bitte entschuldigen sie die Unannehmlichkeiten.“
Wie bitte? Und wie soll ich nun zur Uni kommen? Nun ja, erstmal aussteigen, dann weitersehen.
Auf dem Gleis traf ich dann einen Kommilitonen von mir. Gemeinsam suchten wir einen Weg den Hauptbahnhof zu erreichen.
Die Lokführer konnten uns nicht weiterhelfen, auch nicht die anderen Bahnangestellten. Mir kam dann die Idee, dass zum Terminal vom Hauptbahnhof aus S-Bahnen fahren. Also machten wir uns mit mehreren Fahrgästen auf den Weg dorthin.
Doch es fuhr keine S-Bahn. „Personenschaden“ hieß es. Mein Kommilitone warf dann auch noch sein Handy unter die im Gleis stehende S-Bahn und ich dachte schon, das Desaster wäre nun perfekt. Zum Glück war der Zugführer so freundlich, die S-Bahn zu rangieren und das Handy herauszuholen. Doch weiterhelfen konnte er uns auch nicht. Er bekam keine Abfahrtsgenehmigung, und wann es weiter gehen würde stand in den Sternen.
Langsam fragte ich mich, ob die WM wirklich so eine gute Idee gewesen war, zumindest für den Berufsverkehr traf dies wohl nicht zu.
Vom Terminal aus kamen wir also auch nicht weiter. Vom Bahnhof fuhr auf unbestimmte Zeit auch kein Zug, also blieben nur noch die Busse.
Nach zehn oder zwanzig Minuten Wartezeit kam auch endlich einer und wir quetschten uns wie Ölsardinen hinein. Koffer, Flugreisende und Fahrgäste der Bahn wollten alle zum Hauptbahnhof.
Nach schier endloser Zeit kamen wir endlich an. Schnell  eine Entschuldigung am Infoschalter geholt, ab in die Straßenbahn und dann waren wir endlich da. Nach vier Stunden Bahnfahrt und mit den Nerven am Ende standen wir endlich im Praktikum und ich verfluchte die WM ein weiteres Mal. Das Resümee dieses Tages lautete: 1 ICE der im Flughafen stehen blieb (davon erfuhren wir später), 2 Regionalbahnen, die die Gleise im Flughafen versperrten, 1 Personenschaden, der die S-Bahnen am Terminal nicht fahren ließ und zu guter Letzt die Fahrt in einem Bus, der einer Ölsardinendose glich.

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Fesseln des Lebens

Donnerstag, August 7th, 2008

Fesseln des Lebens

“Hiermit wird Bob Railert zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren auf Bewährung verurteilt. Durch zahlreiche Anrufe bei der Vermisstenstelle des Scotland Yard hat er nicht nur die Sicherheitskräfte in die Irre geführt, sondern vor allem die Aufklärungsarbeiten behindert.”

Mit gesenktem Kopf nahm Bob Railert den Urteilsspruch hin. Noch immer wusste er nicht ob er seine Tat bereuen sollte. Ohne das Gesicht zu verziehen ließ er sich die Handschellen anlegen und aus dem Gerichtssaal führen.
Auf dem Weg zum Gefängnis rief er sämtliche Erinnerungen an die letzten Monate wach. Es war an der Zeit für Klarheit zu sorgen und zu erkennen, was er wirklich wollte. Eins war sicher: Er wollte die Unbeschwertheit der letzten Monate zurück gewinnen. Nun wusste er wie sich Leben anfühlte.


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Banküberfall ohne Folgen (B4)

Samstag, Januar 12th, 2008

Banküberfall ohne Folgen

Arnold Dunce stand vor dem Badezimmerspiegel und betrachtete sich eingehend. Seine Haare hatte er streng zurück gegeelt und seine Bartstoppeln waren so gut es ging gekürzt. Dennoch lag ein schwarzer Schimmer über den Wangen und am Kinn. Auch wenn er sicher keine Schönheit war, nickte er zufrieden. So konnte er sich auf die Straße trauen und sein Vorhaben in die Tat umsetzen. Dann hätten auch endlich die ewigen Fragen seiner Mutter ein Ende und er war nicht weiter von diesen dämlichen Ämtern abhängig.
Keiner würde ihn mehr Fragen, wann er wo hinginge und vor allem konnte er sich endlich diesen tollen Anzug leisten, den er vor einigen Tagen im Schaufenster gesehen hatte. Niemand würde ihn mehr „Arnold Schwachkopf“ nennen. Die Frauen würden ihn auch endlich beachten und nicht angewidert den Kopf zur Seite drehen. So schlecht sah er doch wirklich nicht aus. Gut, er konnte sich nicht – noch nicht! – die Designerklamotten leisten, auf die die meisten Wert legten. Aber immerhin bemühte er sich wenigstens ab und an den Rasierer zu schwingen und zumindest einmal die Woche Wasser an seinen Körper zu lassen.
Heute musste es einfach klappen. Keiner konnte ihn mehr davon abbringen. Dieses Mal würde er mit einem Haufen Geld nach Hause kommen und dann schnurstracks bei seiner Mutter ausziehen.
Sein Gesicht verzog sich zu einem Grinsen, das eher einer Grimasse glich. Er hatte an alles gedacht. Selbst die Sturmhaube, die ihm seine Mutter zu Weihnachten geschenkt hatte, lag bereit.
„Mama denkt aber auch wirklich an alles“, meinte er grinsend zu sich selbst.
Heute konnte wahrlich nichts mehr schief gehen.
Nochmals überprüfte Arnold sein Aussehen, zog seinen Krawattenknoten fest und verließ das Badezimmer.
„Und bald bin ich auch diese scheußlichen rosafarbenen Kacheln los“, murmelte er vor sich hin. Er ging zur Garderobe und nahm seine beste Jacke heraus. Seine Sturmmaske stopfte er in die Jackentasche.
„So. Was fehlt noch?“ Aus seiner Hosentasche holte er einen zerknitterten Zettel hervor. „Die Maske habe ich. Die Pistole…“ Er drehte sich um und kramte in der obersten Schublade der Kommode. „… habe ich auch.“
Unentschlossen gab er die Pistole von der einen Hand in die andere. Schließlich steckte er diese in die Innentasche der Jacke.
„So. Was fehlt noch? – Ah ja! Eine Tüte für das Geld.“ Er sah sich kurz im Flur um und fand schließlich das Fach, in dem seine Mutter immer die Einkaufstaschen aufbewahrte. „Gut. Dann hab ich an alles gedacht.“ Zufrieden nickte er und trat hinaus auf den Flur.
Die Tür fiel leise klackend ins Schloss. Arnold warf einen letzten Blick auf das Namensschild und grinste hämisch. Bald würden hier nicht mehr die Namen Frida und Arnold Dunce stehen, sondern nur noch Frida Dunce.
Zügig lief er die Treppen hinab und trat hinaus auf die Straße. Keine zwanzig Meter entfernt lag die Bushaltestelle, von der aus er in die Stadt fahren würde. Wie oft war er diesen Weg nun schon gegangen. Wie oft hatte er über die Unpünktlichkeit der Busse geflucht. Bald würde all dies ein Ende haben. Dann war er nicht mehr darauf angewiesen, dass der Nahverkehr fuhr und er sich an deren Zeiten halten musste.
Arnold lächelte. Heute Abend würde alles anders sein.
Er hatte Glück. Nur wenige Minuten später kam der Bus.
Bald darauf stand Arnold vor der Sparkasse und überlegte. War es wirklich richtig, was er da tat? Einen Augenblick zögerte er. Doch schließlich siegte sein Wunsch nach Geld und Unabhängigkeit. Er hatte keine andere Wahl. So oft hatte er bereits versucht Arbeit zu finden. Doch keiner wollte ihn. Was sollte er also tun? Weiter in seinem Loch vergammeln? Nein, nein. Dazu war er nicht bereit. Er wollte endlich ein Auto haben. Silberkettchen und viel Schampus. Die Mädels sollten ihn lieben!
Entschlossen nahm er die Mütze aus seiner Tasche und zog sie sich über den Kopf. Bei dem ganzen Schneetreiben würde sicherlich keiner wegen dieser verdacht schöpfen. Die Pistole holte er aus der Innentasche und ließ sie in die Tasche gleiten, in der zuvor die Sturmmaske gewesen war.
Noch einmal überflog er den Notizzettel. Zu seiner Zufriedenheit stellte er fest, dass bisher alles genau so lief wie er es geplant hatte. Da sah man mal wieder, wozu Hollywood doch gut war. Hämisch grinste er und kicherte leise.
Arnold Dunce atmete tief ein und aus. Es konnte losgehen. Er schritt auf die Automatiktür zu. Genugtuung machte sich in ihm breit, als diese vor ihm zur Seite glitt.
„Nun gut die Pistole verbergen… ganz normal tun… und ran ans Geld“, dachte Arnold und schlenderte zu den Schaltern.
Er musste eine Weile warten eher er an die Reihe kam. Ungeduldig trat er von einem Bein auf das andere. Die Hand mit der Pistole hielt er in der Jackentasche verborgen.
Als er endlich an die Reihe kam, grinste er.
„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“, sprach die Bankangestellte.
Arnold zögerte nicht lange. Er holte die Pistole hervor, richtete sie auf die Frau und brummte: „Her mit der Kohle.“
Die Frau zuckte nicht einmal mit der Wimper und legte ein paar Scheine auf den Schalter. Dann drehte sie sich etwas zur Seite und holte ein Stück Papier hervor. Sie trug darauf etwas ein und schob den Zettel Arnold entgegen. Sie lächelte und reichte ihm den Stift. „Wenn Sie hier bitte unterschreiben würden“, sprach sie selbstsicher und versuchte Blickkontakt mit Arnold aufzunehmen.
Doch er drehte rasch den Kopf zur Seite und blickte sie grimmig an. Mit knirschenden Zähnen legte er die Pistole auf den Schalter und nahm den Stift in die Hand. Die Bankangestellte beobachtete ihn dabei geduldig.
Arnold Dunce prüfte den Wisch auf seine Richtigkeit und unterschrieb schließlich mit seinem Namen. So schnell er konnte verfrachtete er das Geld in die Plastiktüte.
Als er alles verstaut hatte nahm er die Pistole wieder zur Hand. Zügig drehte er sich um.
„Guten Rutsch!“, rief ihm die Frau nach.
Arnold murmelte eine Erwiderung. Er lächelte zufrieden. Er hatte sein Ziel erreicht. Der Überfall war ihm geglückt.
Bevor er außer Hörweite war, hörte Arnold, wie die Bankangestellte zu ihrem Kollegen meinte: „Irgendwann sollte man ihm sagen, dass eine pinke Wasserpistole nicht sehr überzeugend ist.“
Doch Arnold interessierten diese Worte nicht. Er zuckte mit den Schultern und verließ die Bank. Er hatte ja was er wollte und konnte nun wieder einen Monat von seinem Geld leben, ehe er sich an den nächsten „Banküberfall“ wagte.

Ja, ihr habt ja Recht. Ich kann keine Krimis schreiben. Hmpf! Bin trotzdem auf euren Kommentar gespannt ;)

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Fahrt ins Irgendwo (B3)

Donnerstag, Dezember 6th, 2007

Fahrt ins Irgendwo

John Feddersen ist eigentlich ein Mann, der seine Stifte mit dem Lineal anordnet und seine Bücher im rechten Winkel zur Schreibtischkante auf den Tisch legt. Ohne Ordnung kann er nicht leben und deshalb sind ihm andere Menschen zuwider. Jedes Mal wenn er sich bemühte in der Freizeit Kontakte zu ihnen zu knüpfen, artete dies in Chaos und unvorhergesehenen Ereignissen aus. Deshalb beschloss er lieber für sich zu bleiben und die Kommunikation zu anderen Individuen auf das Nötigste zu beschränken.
Doch dann kam ein Tag in seinem Leben der alles wieder ins Lot bringen sollte.

An einem Donnerstag im Dezember verließ John Feddersen wie jeden Tag sein Büro pünktlich um 17:30 Uhr. Er verabschiedete sich vom Pförtner, dies verlangte schließlich die Höflichkeit, und stieg wenige Minuten später in den Bus, der ihn bis vor die Haustür bringen würde. Doch heute war alles anders.
Der Busfahrer war nicht wie sonst Willy Otremba, sondern ein lustig dreinblickender Mann, der ein Koboldkostüm trug.
„Frohe Weihnachten!“, wünschte dieser. John Feddersen nickte dankend und setzte sich in eine der Sitzreihen. Bis auf ihn und den Fahrer, war der Bus leer. John dachte sich nichts dabei und blätterte in der Tageszeitung, die er jeden Tag auf der Heimfahrt las.
Doch heute wollte die Fahrt nicht enden. Auch machte der Busfahrer keine Anstalten eine einzige Haltestelle anzufahren.
John ließ seine Zeitung sinken. „Was ist das hier für ein Bus? Wohin fahren Sie mich? Und warum gibt es keine anderen Fahrgäste?“ Er dachte sofort an eine Entführung. Doch wer sollte Interesse daran haben einen Büroangestellten aus seinem Umfeld zu reißen?
„Sie werden schon sehen“, grinste der Fahrer und beschleunigte den Bus.
Nach schier endloser Zeit endete die Fahrt.
Durch die Scheiben konnte John nicht viel erkennen. Einzig ein paar Lichter die in der Ferne flackerten.
„Endstation. Bitte steigen Sie aus“, sprach der Fahrer und öffnete die Tür.
Feddersen erhob sich und trat mit zitternden Knien aus dem Bus. Warum war er bloß eingestiegen? Er hätte bereits zu dem Zeitpunkt aufmerksam werden soll, als Otremba nicht am Steuer saß. Dann wäre er nun bei sich zu Hause und sein Leben würde nicht aus den Fugen geraten.
„Willkommen John“, flüsterte eine Stimme vor ihm. Er kannte diese Stimme und sein Herz begann schneller zu schlagen. Das konnte doch nicht möglich sein!
John trat hinaus ins Freie und spürte wie Schneeflocken auf seinem Gesicht schmolzen. Vor ihm stand Lilly. John schloss die Augen. Das war unmöglich! Lilly war vor Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen! Wie konnte sie nun vor ihm stehen?
„John, sieh mich an, ich bin es wirklich!“ Lilly legte ihre Hand an sein Kinn. In ihren Augen glänzten Tränen.
John fand keine Worte. Er schüttelte nur den Kopf und blickte Lilly an. Sie sah wie Lilly aus. Ihre Stimme klang wie Lilly’s. Sie roch sogar wie sie! Aber wie konnte dies möglich sein? Die Ärzte hatten gesagt, dass sie sie nicht retten konnten. Er hatte an ihrem Sarg getrauert. Jeden Sonntag besuchte er ihr Grab und brachte ihr neue Blumen. Sie war stets die einzige gewesen, der sein Herz gehörte und für die er sein Leben opfern würde. Doch dann starb sie.
„Wie – ist dies möglich?“
„John, hast du je meinen Leichnam gesehen?“
Er schüttelte den Kopf und Lilly nickte. Sie wusste nur zu genau, was sie ihm angetan hatte. „Ich konnte es dir nicht eher sagen, doch ich brauche dich nun. Ich musste die Identität und damit mein Leben wechseln. Und jetzt ist die Zeit gekommen. Ich möchte dich mitnehmen.“
„Wohin?“ John verstand zwar nicht, was sie von ihm wollte und was geschehen war, doch er wusste er konnte ihr vertrauen und sie würde ihm alles erzählen, wenn die Zeit dafür gekommen war.
„Ich werde dich in ein Leben mitnehmen, wo nicht die Ordnung herrscht. Aber ich werde bei dir sein und von nun an wird kein Geheimnis mehr zwischen uns stehen.“
„Warum?“
„John, ich bin eine Geheimdienstbeauftragte, und nun ist auch für mich die Zeit gekommen sesshaft zu werden.“
Sie lächelte ihn an, reichte ihm ihre Hand und John ergriff sie mit klopfendem Herzen. Er wusste er konnte ihr vertrauen, auch wenn er dafür sein Leben aufgeben musste. Doch ohne Lilly war er verloren und verdammt auf immer in Einsamkeit zu leben.
(6. Dezember 2007)

5
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Der Schein trügt (B2)

Samstag, November 17th, 2007

Der Schein trügt

„Wusstest du eigentlich schon, dass Markan eine neue Freundin hat?!“ Carissa lag auf ihrem Bett und blätterte in einer Zeitschrift. „Ja, ehrlich! Jera hat die beiden zusammen gesehen!“ Mit ihren Augen nahm sie die Bilder der Illustrierten auf.
Gerade als Carissa zu einer Erwiderung ansetzen wollte, flog die Tür zu ihrem Zimmer auf und ihre Mutter kam herein gestürmt.
„Cari, keine Zeit, du musst Schluss machen. Wir müssen weg!“
Carissa blinzelte ihre Mutter verwirrt an und setzte sich auf.
„Viv, ich muss aufhören. Ma ist da, ka was sie will.“ Sie nahm die kleine Sprecheinheit von ihrer Wange und legte sie auf die Ladestation am Schreibtisch.
„Was ist los? – Und warum wühlst du in meinem Schrank?“ Carissa sprang vom Bett auf und nahm ihrer Mutter die Reisetasche aus der Hand, die sie begonnen hatte zu packen.
„Keine Zeit. Pack das wichtigste. Wir fahren sofort.“
Carissa wusste nicht, was sie davon halten sollte, aber sie merkte, dass sie nun keine Antwort auf ihre Frage bekommen würde und so stopfte sie schnell ein paar Anziehsachen, ihr Tagebuch und eine Bürste in die Tasche.
„Los, los!“, rief ihre Mutter im Flur und öffnete bereits die Wohnungstür. Carissa schlenderte zu ihr und blieb vorm Hochgeschwindigkeitsfahrtuhl stehen.
„Keine Zeit!“ Ihre Mutter stürzte zur Notausgangstür. Sie hastete die Treppen hinab. Blickte sich aber um ob Carissa ihr folgte, bevor die Tür zuschlug.
„Was… ist… los?“, brachte Carissa zwischen zwei Atemzügen hervor. Doch ihre Mutter deutete einzig Abwärts und rannte weiter zur Tiefgarage.
Der Luftwagen stand wie gewohnt direkt neben dem Fahrstuhl und blinkte bereits auf, als sie um die Ecke bogen. Carissa warf ihre Tasche auf den Rücksitz und setzte sich neben ihre Mutter. Diese sprang auf den Fahrersitz, ließ den Motor aufheulen und gab Gas. Schnell schoss der Wagen aus der Garage auf die belebte Straße.
„Ma?!“, genervt und entsetzt betrachtete Carissa das Chaos.
„Weg hier! Später!“
Der Luftwagen schoss auf eine der Schwebestraßen empor und nahm den direkten Weg aus der Stadt hinaus. Immer wieder blickte Carissa’s Mutter gehetzt in den Rückspiegel und beschleunigte das Luftfahrzeug weiter. Carissa schaltete frustriert das Radio an.
„… die Krawalle in der Innenstadt nehmen allmählich Überhand…“ Der Radiosprecher schien beinahe ein Footballspiel zu kommentieren. „… nicht nur die B2 Roboter sind betroffen, sondern auch die Einheiten der X und Y-Generation…“
Carissa blickte ihre Mutter fragend an. Doch diese blickte starr auf die Straße und hatte ihre Hände fest ums Lenkrad geschlossen. Sie zitterte.
„… sie haben es wohl auf sämtliche Roboterformen abgesehen und bereits die Hälfte der Downtown in Brand gesteckt… irgendwie schaffen sie es die AIs zu orten ohne das Menschen zu schaden kommen…“
„Ma? Warum flüchten wir?“ Verwirrt schüttelte Carissa den Kopf und betrachtete das Profil ihrer Mutter.
„Carissa, ich muss dir etwas erklären.“ Sie kniff die Augen zusammen und seufzte.
„Was denn? Was ist los? Warum flüchten wir?“
„Weil dein Vater und ich fürchten, dass sie es auch auf uns abgesehen haben könnten.“
„Aber warum? Weil ihr an Projekten zur Entwicklung neuer AIs gearbeitet habt?“
Die Mutter schüttelte den Kopf. „Nein, weil wir noch viel mehr getan haben.“ Sie holte tief Luft. „Wir haben einer der höchstentwickelten AI-Formen ein normales, menschliches Leben ermöglicht.“
„Was meinst du damit?“ Carissa blinzelte.
„Wir wollten Kinder und konnten keine bekommen, bis dein Bruder Lenar geboren wurde.“
„Aber… ich bin älter als Lenar.“
„Ja, das bist du.“ Sie nahm Carissas Hand und drückte sie.
„Bedeutet das…“ Carissa zitterte. Sie war doch ein Mensch wie jeder andere, doch als sie ihrer Mutter in die Augen blickte, sah sie Tränen aufsteigen.
„Du wirst immer meine Tochter sein.“ Sanft streichelte sie Carissa über die Haare. „Wir werden nicht zulassen, dass dir etwas geschieht.“
Carissas Umgebung verschwamm hinter einem Vorhang aus Tränen. Ihr Herz schien zu rasen und alles in ihr krampfte sich zusammen. Niemals hätte sie für möglich gehalten kein Mensch zu sein. Doch am allermeisten quälte sie die Frage: Warum sie?

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Die alte Lady (B1)

Donnerstag, Oktober 25th, 2007

Die alte Lady

Hannes Diehsel ist der Fahrer unseres Schulbusses. Er fährt sehr sicher und hat noch nie einen Unfall gehabt. Er ist immer pünktlich auf die Minute und war noch keinen Tag krank.
Doch irgendetwas hatte dieser Mann zu verbergen und ich sah es als meine Aufgabe dieses Geheimnis zu lüften.

Auch heute begrüßte er jeden von uns mit einem herzlichen „Guten Morgen!“. Er wartete, bis jeder einen Sitzplatz gefunden hatte und fuhr dann zur nächsten Haltestelle.
Aber etwas hatte sich verändert. Bei jedem Wort, das ihm von den Lippen drang, blieb ein zittriger Nachgeschmack haften. Normalerweise machte er Späße und achtete darauf dass Keiner durch übermäßiges Raufen zu Schaden kam. Doch heute schwieg er die meiste Zeit und hielt seinen Blick starr auf die Straße gerichtet. Seine Hände hatte er verkrampft um das Lenkrad geschlossen und konzentrierte sich so stark auf die Straße, dass er nicht einmal reagierte, als Mirko Lara an den Haaren zog und sie kreischend aufsprang.
Je länger ich ihn beobachtete, umso sicherer wurde ich, dass etwas mit ihm nicht stimmte.
Ich holte aus meinem Rucksack einen Stift und einen Block hervor und begann darauf zu schreiben. In der letzten Kurve vor der Schule ließ ich meinen Stift fallen und kroch unter die Sitzbänke um ihn aufzuheben. Meine Mitschüler beachteten mich nicht.
Ich kroch weiter nach vorne in Richtung Fahrersitz. Unter der letzten Sitzreihe, hinter der verdunkelten Rückwand der Fahrerkabine hielt ich inne und wartete.
An der Schule verließen alle Schüler den Bus. Ich atmete so leise wie möglich und hielt meinen Notizblock und Stift fest an mich gepresst. Sobald Hannes losfuhr konnte ich dann alles notieren, was meine Sinne aufnahmen.
Die Türen schlossen sich und Hannes Diehsel trat auf das Gaspedal.
„Aufgabe erledigt.“
„Gut, gut. Dann bringen Sie das Kind vorbei.“, ertönte es aus dem Lautsprecher des Funkgeräts.
Stille.
Ich versuchte einen besseren Blick auf Hannes zu erspähen. Der Rückspiegel half mir dabei und ich musste zu meinem Entsetzen feststellen, dass unser sonst so freundlicher Busfahrer grimmig den Asphalt betrachtete.
Der Bus polterte über die Straßen und ich stieß mir mehr als einmal den Kopf an. Die Fahrt schien nie enden zu wollen. Wohin brachte er mich? Weshalb hatte er mich noch nicht aus meinem Versteck gezerrt? Wollte er mich in Sicherheit wiegen?
Immer wieder quietschten die Reifen und ich wurde hin und her geschuckelt. Doch dann trat Hannes Diehsel ein letztes Mal auf die Bremse. Ruckartig kam der Bus zum Stehen. Der Motor verstummte und die Lampen an der Decke verloschen.
Mein Herz raste.
Hannes zog den Schlüssel aus dem Schloss und seufzte. Er nahm seine Tasche und öffnete die Vordertür. Bevor er den Bus verließ, blieb er im Gang stehen und betrachtete die Sitzreihen.
„Nun ist es aus.“, schoss es mir durch den Kopf und ich war darauf gefasst unter der Bank hervorgezogen zu werden.
„Du wirst mir fehlen.“, sprach Hannes und näherte sich den Sitzreihen. Direkt neben mir blieb er stehen.
Hannes beugte sich vor. „Aber frieren sollst du nicht.“ Und verschloss das einzige geöffnete Fenster.
„Mach’s gut, alte Lady.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ den Bus.
Ich sprang auf um zu sehen, wohin er ging. Dabei stieß ich mir wieder den Kopf ein.
„Autsch!“
Hannes Diehsel drehte sich um und sah mich an. Verwirrt kratze er sich am Kinn und kam wieder einen Schritt auf den Bus zu. Er öffnete die Fahrertür und stand einfach nur schweigend da.
„Ich…“
„Ja?“ Sein Tonfall war gewohnt ruhig.
„Wieso wollen sie mich entführen?“, zitternd stand ich vor ihm.
„Ich dich entführen?“
„Die Stimme sagte doch, bringen Sie das Kind vorbei.“ Ich zog die Stirn kraus.
Hannes lachte. „Ich will dich doch nicht entführen!“
„Und warum sind sie dann heute so – so anders?“
„Weißt du…“ Das Lachen verstarb und Hannes blickte mich traurig an. „Ich fahre nun schon seit zwanzig Jahren mit der alten Lady durch die Straßen.“ Er seufzte. „Doch nun ist ihre Zeit gekommen.“
„Oh!“ Ich wurde rot. Wieso musste ich auch überall einen Kriminalfall wittern. Manchmal waren die Dinge doch wirklich ganz anders, als sie den Anschein hatten.
„Mach’s gut, alte Lady.“, flüsterten wir dann zum Abschied und verließen den Bus.

(23. – 25.10.2007)

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Ich als Leser

Donnerstag, Oktober 4th, 2007

 So und da hätten wir die erse Übungsaufgabe aus dem ersten Belletristikheft. Ich denke sie könnte vielleicht den einen oder anderen interessieren ;)

Übung 1.1: Ich als Leser

Was für Lektüre ich bevorzuge? Ganz klar: Fantasy! Und natürlich Storys oder auch Romane, die meinem Humor entsprechen, und wo ich schön mitlachen kann. Was mag ich noch? Hier und da einen ScienceFictionRoman oder ganz klar Historische. Da aber auch ganz gerne Frauen als Hauptcharaktere und ihr Leben damals. Oder dann natürlich Erzählungen von Sagen und Märchen. Ich liebe Märchen!
Gedichte lese ich ab und an auch ganz gerne, aber ich denke davon zahlreiche hintereinander könnte ich nicht verschlingen. Im Gegenteil zu Romanen oder Erzählungen.
Meine Lieblingsautoren? Ganz klar Marion Zimmer Bradley. Dann noch Terry Pratchett, Magareth Weiß und Tracy Hickman, Diana Gabaldon, J.K.Rowling und noch zahlreiche andere. Aber ich denke diese Autoren sind für mich so die wichtigsten. Oh, ich sollte Ken Follett und seine Säulen der Erde nicht vergessen! Auch einfach nur einmalig! Tamora Pierce und Knister lese ich auch wahnsinnig gerne! Ich hab noch wen vergessen: Dürenmatt! Seine Stücke sind einfach einmalig!

Nun der kompliziertere Teil. Warum sagt mir dies alles zu? Hmm… ich liebe es einfach in fremde Welten abzutauchen und diese mit dem Hier und Jetzt komplett hinter mir zu lassen. Unbeschwert in anderen Gegenden umherzuwandeln und mit den Helden Abenteuer zu erleben finde ich einfach nur entspannend und zudem auch die eigene Phantasie anregend. Ich mag mystisches und Magie. Ich liebe Fabelwesen und die Natur! All dies kann ich sehr gut in Fantasywelten und auch teilweise in historischen Welten wieder finden. Die Sciencefiction dagegen deckt einen anderen Bereich ab… meine Fragen danach, wie könnte etwas sein… und einfach mein Interesse an der Gesellschaft auf zwischenmenschlicher Basis. Hier und da noch etwas Technik, aber bloß nicht zu viel davon.
Was ich nicht mag? Ich mag keine metzel- und blutrünstel Bücher. Für mich gibt es davon schon genug in der Welt hier.
Krimis? Keine Ahnung. Ich habe bislang – außer Jugendkrimis – noch nie wirklich einen gelesen.
Kinder und Jugendliteratur? Sehr gerne, wenn sie nicht sozusagen in Kindersprache gehalten ist und dann auch eher in Richtung Fantasy geht. Aber auch hier und da gerne Geschichten aus der Realität, wenn sie eben nicht zu sehr in Richtung Vorlesebilderbuchniveau gehen – wobei es da auch ganz schöne gibt.
Was gibt es noch? Hmm, eigentlich lese ich vieles gerne. Auch zum Beispiel ältere Theaterstücke oder einfach nur Sagen und Erzählungen.
Manches mal vermisse ich bei einigen Autoren dabei den flüssigen und fesselnden Schreibstil, aber dann interessiert mich einfach nur die Story, wenn ich das Buch trotzdem weiter lese. Spannung aufbauen ist zwar wichtig, schaffen bei mir aber auch nicht alle. Häufig fesseln mich dann einfach die Ideen des Autors, auch wenn diese sagen wir mal, „mangelhaft“ umgesetzt worden sind.
Am liebsten mag ich einfach fantasievolle Erzählungen über die man vielleicht auch schmunzeln kann, in denen man sich verlieren kann und die einen zum Träumen verleiten.
Und genau so etwas will ich auch schreiben. Werke, die beim Lesen die Welt um sich herum vergessen lassen und die zum Träumen einladen. Oder schlicht und einfach den Leser in fremde Welten entführen um dort Abenteuer zu erleben oder vielleicht einfach nur ein Lächeln auf seine Lippen zaubern.

(4. Oktober 2007)

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