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Der Neujahrsstern

Montag, Dezember 31st, 2012
Bühnendekoration: auf dem Boden ein blaues Tuch, im Hintergrund und an den Seiten blau gefärbtes Flies o.ä. mit Lichterkette darin; in einer Ecke etwas versteckt eine Sternenfigur
In der entgegen gesetzten Ecke, vorne mit Eimerchen und Putzlappen drei Engel
Erzähler: Jedes Jahr am Sylvestertag bereiten sich nicht nur die Menschen auf das neue Jahr vor. Auch im Himmel bemüht sich ein jeder um eine glanzvolle Überleitung.
Auf der Erde werden gute Vorsätze geschmiedet, böse Geister durch farbenfrohe Feuerwerke vertrieben, aber vor allem viel gelacht… Doch was hoch über den Festen der Menschen geschieht – seht selbst…
Der Vorhang geht auf. Die Engelputzkolonne rückt vor und beginnt zu fröhlicher Musik die Sterne zu putzen. Doch dann ein dumpfer Ton. Ein Engel hält inne.
Engel 1: Nanu? Was ist denn das?
Die anderen Engel drehen sich zu Engel 1 um.
Engel 2: Was ist los?
Engel 1: Ich putze und putze, aber dieser Stern will einfach nicht leuchten.
Engel 2: Das ist merkwürdig. Vielleicht sollten wir ihn aufwecken und fragen, was los ist.
Engel 1: Und wie?
Erzähler: Bislang hatte noch niemand versucht am Tag einen Stern zu wecken. Erst nachts erzählten sich Sterne und Engel Geschichten.
Während der Erzähler spricht, versammeln sich die Engel in der Mitte. Sie laufen auf und ab, während sie nachdenken. Dann bleibt Engel 1 stehen.
Engel 2: Lasst uns den Stern mitnehmen und um ihn herum alle Lichter ausschalten.
Engel 1: Das könnte gehen. Vielleicht denkt der Stern dann es wäre schon Nacht und erwacht.
Die Engel gehen zum Stern, holen ihn aus der Ecke in die Mitte und löschen die Lichter – die Lichterkette ausschalten
Engel 1: Und nun?
Engel 2: Ich weiß auch nicht.
Engel 1: Wie wäre es, wenn wir ein paar Schlaflieder singen?
Engel 2: Aber er soll doch aufwachen!
Engel 1: Ja, aber die Sterne wachen ja schließlich auf, wenn Kinder in den Schlaf gesungen werden.
Die Engel beginnen leise ein Schlaflied zu singen. Aber der Stern schläft weiter.
Erzähler: Vielleicht sollten wir alle Helfen. Lasst uns zusammen singen.
Nach der ersten Strophe regt sich der Stern und gähnt.
Stern: gähnt - Was ist denn hier los? Warum singt ihr so laut?
Engel 1: Er ist aufgewacht!
Stern: Ja, natürlich! Bei dem Lärm, den ihr hier veranstaltet. – Wendet sich ab und geht weg
Engel 1: So warte doch bitte. Wir wollten dich etwas fragen.
Stern: Hat das nicht bis nach Sonnenuntergang zeit?
Engel 2: Nein. Bis dahin müssen alle Sterne leuchten.
Stern: Und was wollt ihr mich deshalb fragen? Ihr wisst doch am besten, wie man uns Sterne putzt.
Engel 2: Nun ja, eigentlich schon. Es funkeln und glänzen auch alle. Bis auf einen…
Stern: Und? Was habe ich damit zu tun?
Engel 1: Du leuchtest nicht. Ich habe alles versucht. Aber auch wenn ich dich noch so oft putze…
Engel 2: Ja, und deshalb wollten wir dich fragen, warum.
Stern: Wie, warum? Warum ich nicht leuchte? Woher soll ich das wissen? Ich fühle mich gut.
Engel 1: Wer könnte es denn wissen, wenn nicht du?
Stern: Vielleicht der Mond. Er weiß vieles und sieht was im Himmel und auf Erden geschieht.
Engel 1: Dann auf zum Mond!
Die Engel und der Stern setzen sich in Bewegung, der Vorhang geht zu.
Bild: Die Engel und der Stern fliegen auf einer Wolke durch den Himmel.
Bühnenbild: Die Lichterkette wird wieder angeschaltet, eine Mondfigur in der Mitte der Bühne, nach hinten versetzt. Die anderen Figuren kommen von vorne rechts.
Erzähler: Die Engel und der Stern machten sich also auf den Weg. Sie mussten die halbe Welt umrunden, ehe sie den Mond fanden.
Engel 1: räuspert sich – Lieber Mond, wir brauchen deine Hilfe.
Mond: dreht sich zu den Ankömmlingen um – Oh, ein Stern und drei Engel! Was kann ich für euch tun?
Engel 2: Heute Nacht findet das Neujahrsfest statt. Und bis dahin müssen doch alle Sterne leuchten. Aber dieser Stern leuchtet nicht.
Engel 1: leise - Wir haben alles versucht…
Mond: Was sagst du dazu, Sternenkind?
Stern: Ich weiß es nicht. Mir geht es gut.
Mond: Lasst mich überlegen… - er läuft auf und ab, dabei klingeln leise Glöckchen – Sternenkind, du fühlst dich also gesund?
Stern: Ja.
Mond: Bist du denn auch glücklich?
Stern: Ich weiß nicht. Meine Aufgabe erfülle ich eigentlich gern. Und ich habe viel Spaß mit den anderen Sternen und den Engeln.
Mond: Macht dich denn vielleicht etwas traurig?
Stern: zögert einen Moment, dreht sich dabei hin und her – Ja, ich glaube schon.
Engel 1: Und was?
Engel 2: Wie können wir dir helfen?
Stern: Ich weiß nicht.
Mond: Bitte erinnere dich. Es wäre doch schade, wenn ein Stern nicht leuchtet. Das neue Jahr soll doch voller Freude und Hoffnung beginnen.
Stern: Hoffnung… ich glaube das war es.
Engel 1: Was meinst du?
Stern: Ich weiß nun, warum ich vor einiger Zeit nicht mehr leuchten wollte. – er hält inne – Es macht mich einfach zu traurig.
Engel 1: Wieso?
Stern: Ach, die Menschen. Warum soll ich noch leuchten? Jeder ist nur auf sich bedacht. Die anderen werden nur noch beachtet, wenn es einem nützt…
Und zu uns Sternen blickt eh keiner mehr empor. Alles muss schnell, schnell gehen. Da hat keiner mehr Zeit für so was. Warum sollen wir also noch leuchten?
Engel 2: Oh! Aber es gibt doch noch so viele wunderschöne Dinge da unten!
Stern: Und wo? Ich habe nur noch Zerstörung gesehen. Selbst vor Tieren und Pflanzen zeigen sie keinen Respekt.
Engel 2: Aber nicht alle sind so.
Stern: Ach nein? Wer vermag denn schon noch zu Träumen? Oder einfach nur etwas zu tun, um einem anderen eine Freude zu bereiten?
Engel 1: Das Gute in den Menschen. Es wird immer fortbestehen, wenn wir die Hoffnung nicht aufgeben.
Engel 2: Und es gibt auch noch so viel anderes, wundervolles da unten, wofür es sich zu leuchten lohnt…
Stern: Ach ja?
Mond: Ja, Sternenkind. – er dreht sich zu den Engeln – Würdet ihr es dem kleinen Stern bitte zeigen?
Engel 1: Aber natürlich!
Engel 2: Mit größter Freude! – Auf geht’s!
Mond: Und erinnert euch dabei auch ans vergangene Jahr! – die Stimme verklingt in der Ferne
Die Engel und der Stern laufen los, der Vorhang fällt.
Bild 1: Der Stern und die Engel schweben herab auf die Erde.
Eine leiste Musik spielt.
Bild 2: Der Stern und die Engel kommen der Erde näher, schweben an Erinnerungen vorbei.
Bild 3: Einzelne Erinnerungen werden sichtbar: eine Waldrodung; daneben zwei Leute die streiten, ein Kind weint; ein Jugendlicher schubst einen anderen und ein Mädchen wird an den Haaren gezogen; jemand springt mit Freude auf einer Blume herum, ein anderer quält ein Tier, ein dritter lacht einen vierten aus…
Stern: Ich habe es doch gesagt…
Die Musik wird schneller, der Sinkflug wird wieder sichtbar (Bild).
Engel 1: Nun warte doch bitte ab…
Engel 2: Oh ja, gleich sehen wir wieder den Frühling – der wird dir sicher gefallen.
Stern: Ich weiß nicht…
Die Musik setzt aus. Im Hintergrund ist nun das Plätschern eines Baches und Vogelzwitschern zu vernehmen.
Bühnenbild: Die Engel und der Stern stehen auf einer Waldlichtung. Überall blühen Blumen und Tiere (aus Fimo?) tollem umher.
Der Vorhang geht auf.
Engel 2: Ist das nicht schön? Das Leben ist hier überall.
Stern: Ja, aber hier sind ja auch noch keine Menschen… Schneller als ihr denkt werden sie diese Oase zerstören.
Engel 1: Warum sollten sie immer alles zerstören?
Stern: Weil ich sie ständig dabei beobachtet habe.
Engel 2: Aber schau doch mal, Tiere tollen umher! Und riech mal, wie es duftet! Wo, wenn nicht hier, willst du das Leben sonst finden?
Stern: Leben ist ja schön, aber was ist ein Leben ohne Liebe? Ohne Hoffnung?
Engel 2: Auch Tiere können lieben… schau dir Schwäne an, sie verbringen ihr ganzes Leben mit einem Partner.
Stern: Ja. Dieses Leben ist schützenswert. Aber was, wenn die Menschen alles zerstören? Wie sollen wir sie aufhalten?
Engel 1: Vielleicht indem wir sie an die Hoffnung erinnern. An die Schönheit, die sie umgibt.
Stern: Werden sie uns zuhören? Sie hören sich doch nicht einmal gegenseitig zu.
Die Engel seufzen.
Engel: Wenn dich also dieser Ort nicht aufheitert, vielleicht sollten wir dir etwas anderes zeigen. Das Jahr hat noch so viel zu bieten!
Stern: Ja, vielleicht…
Der Vorhang fällt. Die Reisemusik setzt ein.
Bild: Reise durch die Erinnerungen des Jahres – in kleinen Bläschen.
Engel 2: Halt! Das hier wird dir sicher gefallen!
Bühnenbild: Die Engel und der Stern stehen auf einem Platz. In der Mitte befindet sich ein Brunnen.
Der Vorhang geht hoch.
Engel 1: Ein Wunschbrunnen!
Engel 2: Genau! Hier werfen die Menschen eine Münze rein und bitten darum, dass ihre Träume in Erfüllung gehen.
Stern: Wünsche wie: ich hoffe mein Chef wird meinen Ausschnitt bemerken, damit ich eine Gehaltserhöhung bekomme?
Engel 1: Nein, nicht alle Menschen wünschen sich so etwas. Manche wünschen sich auch Gesundheit oder die große Liebe.
Hinter einer Ecke kommt ein Mädchen hervor, geht zum Brunnen und wirft eine Münze (über einen Nylonfaden) hinein, die Engel und der Stern beobachten sie dabei.
Engel 1: Lass uns fragen, was sie sich gewünscht hat.
Stern: Nun gut.
Engel 2: Hallo, dürfen wir dich etwas fragen?
Mädchen: Ja. Was denn?
Engel 2: Was hast du dir gewünscht?
Mädchen: Nun, eigentlich sollte man seinen Wunsch ja nicht verraten. Aber ich glaube bei euch kann ich eine Ausnahme machen. – die anderen Engel und der Stern kommen näher – Ich habe mir gewünscht, dass mein Liebster mich endlich beachtet.
Engel 2: Vielen dank dir.
Mädchen: Nichts zu danken. – Sie geht weg.
Die Engel drehen sich zu dem Stern.
Engel 1: Siehst du?
Stern: Ja, ich habe ihren Wunsch gehört. Die Liebe ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.
Engel 1: Warum?
Stern: Weil ich weiß, dass ihr Liebster bereits eine Familie gegründet hat.
Engel 2: Woher weißt du das?
Stern: Weil ich sie im letzten Jahr beobachtet habe. Ich wollte wissen, ob es noch wahre Gefühle gibt. Aber sie war nur hinter seinem Geld her und er wollte ein Abenteuer erleben.
Engel 1: Ach, Stern. Was können wir dir zeigen, damit du etwas Schönes siehst?
Stern: Ich weiß es nicht. Deshalb wollte ich ja nicht mehr leuchten. Weil ich nicht weiß wozu.
Engel 3: Ich wüsste jemanden, den wir um Hilfe bitten können.
Engel 1: Wen?
Engel 2: Erinnerst du dich an die Teefrau?
Engel 1: Ja.
Stern: Die Teefrau? Wer ist das?
Engel 2: Du wirst schon sehen…
Der Vorhang geht zu. Die Reisemusik setzt ein.
Bild: Die Engel und der Stern reisen weiter durch das Jahr und über die Erde.
Erzähler: Dieses Mal dauerte die Reise sehr viel länger. Denn nur die Wenigsten wissen, dass die Teefrau außerhalb von Raum und Zeit wohnt. Zum Glück kannten die Engel den Weg zu ihr.
Bühnenbild: Eine gemütliche Stube. In der hintern Ecke prasselt eine Kaminfeuer (Musik dazu), darüber kocht ein Topf mit Wasser. Die Teefrau steht vor dem Topf. Kräuter hängen an den Wänden, auf einem Regalbrett stehen Teller und Tassen.
Die Engel und der Stern kommen von vorne rechts.
Der Vorhang geht auf.
Teefrau: Oh! Besuch! – Wie herrlich!
Engel 2: Guten Tag, wehrte Teefrau.
Teefrau: Ob er gut wird, liegt in euren Händen. Doch ich grüße euch herzlichst. – Kommt herein, kommt herein. – Die Engel und der Stern gehen in die Mitte des Raums – So, und nun erzählt mir, was euch zu mir führt.
Engel 2: Nun, du hilfst doch allen, denen es nicht gut geht. Dein Tee erwärmt sie…
Engel 1: Und wir dachten, vielleicht kannst du auch diesem Stern hier helfen.
Teefrau: Hmm… - läuft auf und ab, geht dann auf den Stern zu – Was fehlt dir denn?
Stern: Ich mag nicht mehr leuchten.
Teefrau. Wenn du nicht mehr leuchten magst, wie düster muss es dann erst auf der Erde aussehen?
Engel 2: Wieso? Du kennst doch die Herzen aller Menschen.
Teefrau: Leider nein. Ich kann nur die Kälte aus ihren Herzen vertreiben, wenn mich jemand darum bittet.
Aber mir scheint, die Menschen erinnern sich nicht an mich. Seit langem habe ich keine Bitte mehr erhalten.
Engel 1: Wie sollen sich die Menschen neu erinnern, wenn sie nicht wissen, dass es dich gibt?
Teefrau: Ja, das ist ein Problem. Aber ich kann einfach niemanden dazu zwingen meinen Tee zu trinken, damit ihm wieder warm ums Herz wird.
Engel 1: Kannst du denn unserem Stern etwas Wärme schenken?
Teefrau: Das kann ich wohl, aber solange er keinen Menschen findet, der hofft und glaubt, wird er wohl kaum leuchten…
Engel 2: Aber vielleicht versiegt dann seine Leuchtkraft nicht weiter.
Stern: Leuchte ich denn weniger?
Engel 2: Ja, und ich fürchte, wenn uns nicht bald etwas einfällt, wirst du verlöschen.
Stern: Dann würde ich gerne einen Tee trinken.
Teefrau: So soll es sein. Doch während du trinkst solltest du die Augen schließen und die Bilder in dir aufnehmen, die der Tee dir zeigt. Sie werden dir den Weg weisen.
Das Bühnenlicht geht aus.
Erzähler: Wie die Teefrau es empfohlen hatte, schloss der Stern die Augen. Zunächst wirbelten nur bunte Farben durcheinander. – Bild – Diese wurden aber bald klarer. – Bild – Nach einiger Zeit konnte der Stern sogar einzelne Formen erkennen. Blätter und Schmetterlinge zeigten sich vor seinem Auge. – Bild – Je länger er die Szene betrachtete, umso bewusster wurde ihm, was er sah. Schließlich war er bereit die Augen wieder zu öffnen.
Das Bühnenlicht geht an.
Teefrau: Was hast du gesehen?
Stern: Ich sah Blätter, die vom Himmel fielen. Doch bevor sie den Boden berührten, verwandelten sie sich in Schmetterlinge und flogen in alle Richtungen davon.
Engel 2: Was soll das bedeuten?
Teefrau: Sternenkind, hast du eine Idee?
Stern: Ich weiß nicht. Wisst ihr die Lösung?
Teefrau: Ich denke schon.
Die Bäume werfen ihre Blätter ab und treiben im Frühjahr neue aus. Ich denke, du solltest deine Sorgen aus dem alten Jahr abwerfen, damit du wieder leuchten kannst. Dann können sich aus deinem Leuchten zahlreiche Schmetterlinge entwickeln, die die Hoffnung zu den Menschen tragen.
Stern: Und wie soll ich das schaffen?
Teefrau: Nun, vielleicht magst du dir ansehen, wie die Menschen Weihnachten feiern. Lass dich vom Glanz der Lichter verzaubern.
Stern: Aber Weihnachten ist einmal im Jahr. Was bringt es, wenn die Menschen sich nur an diesem Tag besinnen?
Teefrau: Ein Tag ist besser als keiner. Deshalb ist es ja unsere Aufgabe das Licht in die Welt zu bringen. Wenn wir an Weihnachten beginnen, bringen wir Licht in die dunkelste Zeit des Jahres. Du wirst sehen, dir wird es gefallen.
Diesen Glanz nimmst du mit und bringst ihn ins neue Jahr.
Stern: Und was ist mit dir?
Teefrau: Ich werde warten. Vielleicht erinnert sich ja doch noch jemand.
Stern: Ich sehe mir das Weihnachtsfest an. Vielleicht gefällt es mir ja. Und dann werde ich jedem von Euch berichten.
Der Vorhang fällt. Die Reisemusik erklingt.
Bild: Der Stern und die Engel wandern durch einen Winterwald, am Horizont erscheint eine Stadt.
Erzähler: Der Stern und die Engel verabschieden sich von der Teefrau und machen sich wieder auf den Weg. Schon bald erhält der Winter Einzug und die Adventszeit beginnt. Sie sehen leuchtende Kinderaugen und zahlreiche Erwachsene, die hin und her hasten. – Bild – Aber hier und da sehen sie auch Menschen, die innehalten, sich erinnern und etwas fröhlicher weiter laufen. – Bild – Schließlich erreichen der Stern und die Engel den Tag des heiligen Abends.
Bühnenbild: Ein Marktplatz mit Häusern drum herum, einzelne Weihnachtsmarktstände sind aufgebaut. Die Engel und der Stern stehen in der Mitte bei einem Brunnen. Es hat geschneit und überall leuchten Lichter und es ist weihnachtlich dekoriert. Im Hintergrund läuten leise Kirchenglocken.
Der Vorhang geht auf.
Engel 1: Da wären wir. Ist es nicht wundervoll?
Engel 2: Und friedlich… – … so besinnlich.
Stern: Ja, aber hier sind auch keine Menschen.
Engel 1: Nun, dann lass uns gehen und sehen, was sie tun.
Die Engel und der Stern laufen zu den Häusern und blicken in die Fenster. Weihnachtsmusik spielt im Hintergrund.
Für jedes Fenster in das sie schauen, wird oben ein Bild mit einer Szene herunter geklappt.
Bild 1: Familie beim Geschenke auspacken
Bild 2: Familie beim Essen
Bild 3: Ein Liebespaar, dass sich vorm Tannebaum einen Heiratsantrag macht
Bild 4: Eine Familie die singt
Bild 5: Eine junge Frau, die mit ihrer Katze Weihnachten feiert und fröhlich telefoniert
Nach der Runde versammeln sich der Stern und die Engel wieder in der Mitte.
Stern: Das waren fröhliche Feste. Aber…
Engel 1: Kein aber. Die Welt ist nun mal nicht perfekt. Wenn sie es wäre, würden wir schließlich nicht gebraucht. Wir sind es, an die die Menschen glauben und in denen sie ihre Hoffnung finden.
Stern: Hmm…
Engel 1: Komm mit. Lass uns allen unser Licht schenken. So wird das Fest noch viel schöner und viel mehr Menschen werden in die Fröhlichkeit mit einstimmen.
Engel 2: Ja, lass uns den Anfang machen.
Stern: Ich glaube ihr habt Recht. – er dreht sich im Kreis – Würdet ihr mich bitte noch einmal putzen?
Die Engel lachen fröhlich.
Engel 1: Aber mit Vergnügen!
Stern: Danke. Ich glaube von nun an kann ich wieder leuchten. Und ich werde jedem, der traurig ist und nicht mehr leuchten mag von euch, der Teefrau und Weihnachten erzählen. Es gibt hier wirklich noch wunderschöne Dinge, für die es sich zu leuchten lohnt.
Der Vorhang fällt.
Bild: Ein Sternenhimmel, mit einem besonders hell leuchtenden Stern.
Erzähler: Und nachdem die Engel den Stern ein weiteres mal geputzt hatten, strahlte er heller als alle anderen am Himmel. So konnte das neue Jahr voller Hoffnung und Lebenskraft beginnen.
Und wenn ihr nach draußen schaut, könnt ihr den kleinen Stern sicherlich am Himmel winken sehen. Wenn ihr ganz leise seid, flüstert er euch auch etwas zu.
Stern: Mit Hoffnung und Liebe beginnt das Leben.
Lasst mich euch davon etwas geben.
Erfreut euch an meinem Leuchten in finsterer Nacht,denn es ist nur für euch gemacht.

(Dezember 2008)

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Das Lilienamulett

Sonntag, August 19th, 2007

Das Lilienamulett

Erzähler

Es ward einst ein Amethyst. Diesem sagte man sagenumwobene Kräfte nach.

So geschah es eines Tages, dass der Sultan des dreigeteilten Reiches der Schwertlilien seinen besten Kämpfern befahl ins Reich der Morgensonne zu ziehen.“

Amulett:

„Und wann komm ich endlich?“

Erzähler

„Nun warte doch mal ab. Du bist ja gleich dran. – Darf ich nun weitermachen?“

Amulett zerknirscht

„Ja.“

Erzähler

… der befahl seinen besten Kämpfern ins Reich der Morgensonne zu ziehen. Dor sollte ein alter Zauberer über den Amethysten wachen.

Nur wenige Tage verbrachten die Krieger auf der Suche nach diesem Stein. Dem Zauberer versprachen sie Ruhm und Wohlstand, wenn er mit ihnen ins dreigeteilte Reich der Schwertlilien kommen und dem Sultan den Amethyst überreichen würde.

Amulett

„Bin ich nun an der Reihe?“

Erzähler genervt

„Psst! – Nun lass mich doch mal erzählen!“

Amulett

„Ja doch.“

Erzähler

Nun jedenfalls, weigerte sich der alte Mann sein Heim zu verlassen und erst Recht den Kämpfern den Stein zu überlassen. So ermordeten die Krieger schließlich den Alten. Doch dieser sprach mit seinem letztem Atemzug die alles entscheidenden Worte: Drum geht in frieden, nehmt diesen Stein und vereint, soll das Reich der Schwertlilie sein.

Amulett

„Vereint? Ich dachte es wäre getrennt?“

Erzähler

„Hmpf!“ – Verwundert blickten sich die Krieger an. Keiner von ihnen wusste recht etwas mit dem Satz anzufangen und so nahmen sie den Kopf des Zauberers und den Amethyst und brachten beides in den Palast des Sultans.

Sultan

„Oh meine Krieger! Habt dank, habt dank.“

Erzähler

Zufrieden betrachtete der Sultan den Amethyst. Dann ließ er seinen Hofschmied kommen.

Sultan

„Schmied, fasse diesen Stein in ein gar magisches Amulett. Die Priesterin Sarya wird dabei ihren Zauber weben.“

Amulett

„Verflucht sei sie!“

Erzähler

So sollte es geschehen. Der Schmied nahm den Stein entgegen, ließ das beste Platin des Reiches zu sich kommen und begann mit der Arbeit. Die Priesterin Sarya leistete ihm dabei Gesellschaft und webte ihre Zauber.

Sarya

„Mondgestein und Silberschweif

Morgen wird der Zauber reif.

Binden soll er bis der Morgen graut

Und die neue Welt gebaut.“

Amulett

„Was für ein blöder Spruch!“

Erzähler

Silberne Funken sprühten, als der Schmied das Platin bearbeitete und violetter Nebel erschien, als Sarya ihre Geister rief.

Sarya

„Nebelwallen und Krötenbein

Kehret ein in diesen Stein.

Lasst das Reich der Lilienwelt

Für immer und ewig sein entstellt.“

Amulett

„Na toll! Der eine Verflucht mich das Reich zu einen und der andere es zu entzweien! Können die sich nicht mal entscheiden?“

Erzähler

seufzend

Nach wenigen Tagen war das Werk vollbracht. Der Schmied und die Priesterin Sarya überreichten dem Sultan ein prachtvolles Amulett in Form einer Lilie. Die Blütenblätter bestanden aus dem Amethyst und waren eingefasst von Platin.

Sultan

„Welch ein Wunderwerk. Ich werde dafür sorge tragen, dass es stets an den nächsten Thronfolger weitergereicht wird.“

Amulett

„Ja, ja… alles leere Versprechungen.“

Erzähler

Nun verrat doch nicht alles!“- Bis zu seinem Tode legte der Sultan das Amulett keinen einzigen Tag ab. Leuchtend hing es um seinen Hals und jeder konnte die feine Arbeit betrachten. Ans Totenbett lies er seine Schwangere Konkurbine Rifa kommen.

Sultan

„Rifa, du musst dafür sorge tragen, dass mein Sohn, dieses Amulett erhält.“

Erzähler

Der Sultan streichelte über ihren Bauch und sie nickte lächelnd. Dann verstarb er. Rifa nahm das Amulett an sich und legte es andächtig in eine mit Samt ausgeschlagene Schatulle, die sie stets bei sich trug.

Amulett

fluchend

„Verdammte Sarya, verdammte Rifa, verdammte Schatulle!“

Erzähler

„Willst du die Geschichte weiter erzählen?“

Amulett

„Ne ne, mach du nur. Ich komm noch früh genug zu Wort.“

Erzähler

Zerknirscht

„Hmhm.“ – Rifa trug die Schatulle bis zum Tage ihrer Niederkunft stets bei sich. Als ihr Kind das Licht der Welt erblickte, öffnete sie die Schatulle und nahm das Amulett heraus.

Amulett

„Endlich Licht!“

Erzähler

Doch entsetzt starrte sie dann das Neugeborene an, als sie ihm das Amulett umlegen wollte. Es war kein Nachfolger! Es war wieder nur eine Tochter. Verzweifelt legte sie das Amulett zurück in die Schatulle. Reichte diese einem der jungen Krieger, denen sie vertraute und bat ihn, die Schatulle in der Wüste hinter dem Palast unter einer Dattelpalme zu vergraben.

Amulett

„Verdammt sollen sie sein!“

Erzähler

Der Krieger tat wie ihm geheißen und so legte sich Ruhe über das Gemüt der Konkubine. Sie konnte zwar nicht den Wunsch des Sultans erfüllen, doch konnte sie somit wenigstens erreichen, dass das Amulett nicht weiter die dreigeteilten Reiche der Schwertlilie in seinen Bann riss.

Amulett

„Ja, ja… und so vergingen die Jahrhunderte.“

Erzähler

„Willst du weiter erzählen?“

Amulett

„Jaaaaa! Nun bin ich an der Reihe.“

Erzähler

„Gut, gut. Aber erzähl bloß nichts Falsches!“

Amulett

„Nein, nein.“

Erzähler

„Einen Satz noch.“

Amulett

„Ja?“

Erzähler

Keiner wusste, wo der Krieger die Schatulle vergraben hatte. Und keiner konnte ihn mehr nach ihrem Verbleib fragen. Kaum war er nämlich mit leeren Händen aus der Wüste zurückgekehrt, da wogte violetter Nebel um ihn auf und nahm ihm die Luft zum Atmen.

Amulett

„Geschieht ihm Recht! Und nun lass mich erzählen.“

Erzähler

Zwinkernd

„Leg los! – Ich werde dich auch nicht unterbrechen, wie du mich dauernd.“

Amulett

„Von jenem Tag an fristete ich also mein Dasein in einer kleinen schwarzen Schatulle, die mit rotem Samt ausgelegt war, wie ich wusste. Doch lasst mich euch am besten meine Gedanken schildern, als ich so dalag und auf den Tag wartete, an dem ich endlich meiner Bestimmung – sowohl der einen, als auch der anderen – zugeführt werden würde.“

Erzähler

„Ich glaube am besten wäre es, wenn du vorher immer sagst, wie lange du bereits in der Schatulle verbracht hast.“

Amulett

„Ja doch! Und nun lass mich erzählen.“

Erzähler

„Bin ja schon Still.“

Das Amulettin der Schatulle

Tag 1

Das Amulett lag in seiner Kiste in seinem Erdloch und wartete, dass es einer fand.

Tag 10

Das Amulett wartete immer noch in der Schatulle, tief unter der Dattelpalme und hoffte auf Jemanden, der ihn ans Tageslicht zurück brächte.

Tag 100

Das Amulett hoffte, dass es nicht mehr lange in der Schatulle verbringen musste und bald wieder am Tageslicht glitzern konnte.

Tag 1.000

Das Amulett fragte sich, warum denn niemand nach ihm suchte und seiner Aufgabe zu führte. Es musste doch zahlreiche Geschichten über seine Pracht geben.

10. Jahr

Genervt zählte das Amulett die Tage und die Wassertröpfchen die ab und an in die Schatulle drangen und den Samtstoff durchnässten. Weshalb musste gerade so ein wunderschöner Amethyst vom Sonnenlicht abgeschnitten werden?

100. Jahr

Warum vermisste es denn keiner? Man konnte doch nicht einfach das Amulett des Sultans vergessen!

100. Jahr und 1 Tag

Trotzig begann das Amulett sich Gedichte auszudenken und nahm sich vor demjenigen, der ihn von dieser Qual befreien würde, mit diesen Wunderwerken zu überhäufen.

1.000 Jahr

Immer noch kein Licht? Mittlerweile hätte seine Gedichtserie doch schon längst zu den Bestsellern zählen müssen! Verdammt! Was waren das bloß für unfähige Nachfahren?

1.100 Jahr

Große Aufgabe? Von wegen! Reich vereinen und entzweien? Wie denn?

1.600 Jahr

„Buhuhu! Keiner mag mich! Noch nicht einmal diese dämliche Samtkiste!“

2.385 Jahr

„Also wenn das so weiter geht, dann, dann werde ich mir etwas ausdenken und eine Zeitreise erfinden und dann werde ich, dann werde ich denjenigen Verfluchen, der mich in diese verdammte Kiste gelegt hat und den werde ich selbst in solch eine Kiste befördern!“

4.670 Jahr

„Immer noch kein Licht? Immer noch kein Nachfahre? Lebt da draußen überhaupt noch jemand?“

10.000 Jahr

„Es reicht! Ich mag nicht mehr! Aus, Schluss, Ende! Soll mich doch der Teufel hohlen! Ich schalte nun ab!“

11.111 Jahr

Kratzende und schabende Geräusche waren oberhalb der Schatulle zu vernehmen. Doch dem Amulett war es mittlerweile egal. Tief versunken und in sich gekehrt bekam es nicht mit, wie jemand die Schatulle aus seinem Loch nahm, den Deckel öffnete und Licht einströmen lies.

Amulett

„Jetzt hast du ja doch das Meiste erzählt.“

Erzähler

„Musste ich doch. Und nun erzählen wir zusammen den Rest.“

Amulett

„Nun gut.“

Erzähler

An jenem Tag prallte die Wüstensonne nur so auf den Sand hernieder. Und ich wusste ganz genau, dass ich endlich meinem Ziel nahe war. So viele Jahre hatte ich nun mit meinen Berechnungen verbracht und endlich den Ort gefunden. – „Ja, hier musste es sein.“

Amulett

„Hmhm. Hättest du dir noch mehr Zeit genommen, dann wäre ich ganz sicher nicht mehr wieder zum Leben erwacht.“

Erzähler

empört

„Was kann ich denn dafür?“

Amulett

„Erzähl einfach weiter.“

Erzähler

„Nun gut. Jedenfalls hob ich dann die Schatulle aus dem Sand empor, öffnete vorsichtig den Deckel und was durften meine Augen da sehen? Das Lilienamulett!“

Amulett

„Wurde aber auch Zeit!“

Erzähler

„Von nun an also war es wieder am Tageslicht und ich sein Träger.“

Amulett

„Du mein Träger? Naja, du meinst wohl eher, dass ich mich dazu überreden lassen habe von dir herum geschleppt zu werden.“

Erzähler

„Wie du meinst. – Jedenfalls kann ich nun endlich das Erbe meines Urururahnen antreten und die dreigeteilten Reiche der Schwertlilie vereinen und mit der Urururahnin von Sarya ein neues Reich gründen.“

Amulett

„Solange du Rifa und diesen Krieger in ihren Särgen lässt, mach du nur.“

Erzähler

„Vom heutigen Tag an, soll das Lilienamulett also endlich seine Aufgabe erfüllen. Es soll die Brust einer Frau zieren und …“

Amulett

Entsetzt

„Die Brust einer Frau? – Ich will zurück in meine Kiste! Buhuhu!“

Erzähler

„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann zanken sie heute sicher immer noch.“

(19. August 2007)

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