Eigentlich … 

TreeTopWalk am Edersee

Ja, eigentlich. Dieses Wort, was wir alle immer wieder nutzen. Irgendwie eine Entschuldigung und irgendwie doch nicht. Laut Duden ist es ein Synonym von ursprünglich. Ursprünglich – das passt eigentlich auch viel besser. Fange ich nochmal von vorne an, was ich eigentlich oder eher ursprünglich schreiben wollte? Nein. Weil die Vorüberlegung zu meinen Gedanken gehört, die ich in diesem Beitrag teilen will.

Also: Ursprünglich wollte ich dir meinen Kobold vorstellen. Ein Wesen, das mich gerne zu Höchstleistungen antreibt. Es will nicht, dass ich still sitze. Genau deshalb bin ich heute hier. Mein Kobold muss noch ein wenig warten, aber ich möchte trotzdem meinen Blog mit neuem Leben füllen. Mein Thema heute: „Eigentlich wollte ich ja, …“

Eigentlich und die vielen Gesichter

eigentlich kennzeichnet einen meist halbherzigen, nicht überzeugenden Einwand, weist auf eine ursprüngliche, aber schon aufgegebene Absicht hinDuden – eigentlich

Ein weiteres Gesicht von „eigentlich„. Nicht nur ursprünglich, sondern auch eine schon aufgegebene Absicht. – Wenn ich so über manche Wörter der deutschen Sprache stolpere, die ich viel zu häufig in meinem Wortschatz verwende, dann bringt es mich zum Grübeln. Ganz besonders das Wort „eigentlich“. Martina Hildebrand hatte in ihrer alten Buchstabenwiese einen für mich sehr ansprechenden Beitrag (leider nicht mehr online verfügbar: „Was soll das eigentlich heißen?“) zu dem Thema geschrieben. Martina sagte: „Eigentlich will ich schreiben.“ Eigentlich. Ich stimme ihr zu. „Eigentlich will ich schreiben.“ – Schreiben, bloggen, malen, zeichnen, fotografieren lernen – so viele Dinge möchte ich tun. Eigentlich. Genau das. Ursprünglich wollte ich meine Hobbys pflegen und trotzdem stolpere ich über beinahe aufgegebene Absichten.

Habe ich meine Hobbys wirklich aufgegeben? Nur weil ich mich derzeit in einer Wiedereingliederung befinde, die für mich ziemlich anstrengend ist? Natürlich nicht. Schreiben, Natur, Kreativität – das bin ich. Aus tiefstem Herzen. Deshalb habe ich auch einen Entschluss gefasst. Jetzt erst recht. Ich will schreiben, glücklich leben und achtsam mit mir selbst sein. Aktivitäten in meinen Tag einplanen, die mir gut tun. Arbeit muss sein, doch genauso wichtig ist ein guter Ausgleich. Auf mich aufpassen, dafür sorgen, dass ich meine Kraft und Motivation nicht verliere. Ziele, die nicht einfach zu erreichen sind. Zumindest nicht, wenn ich kaum noch dazu in der Lage bin, meine Freizeit zu gestalten. „Zu erschöpft“, heißt es dann. Oder: „Die Kopfschmerzen sind zum Denken zu stark.“ Häufig auch: „Ich habe keine Konzentration mehr.“ Doch aufgeben, das bin nicht ich.

Eigentlich … eigentlich … eigentlich will ich ja wirklich … ja was eigentlich?

Neue Ziele – eigentlich

  • Achtsam mit mir selbst sein
  • Mich weniger unter Druck setzen
  • Auf mich und meinen Körper achten, damit ich nicht wieder gesundheitlich abstürze
  • Zeit für meine Hobbys, Familie und Freunde nehmen
  • Glücklich sein

Eigentlich. Gute Ziele, wichtige Ziele.

Trotzdem schiebe ich ständig Aktivitäten dazwischen, die „wichtiger“ sind. Sei es Hausarbeit oder „der Garten muss mal wieder gemacht werden“. Vielleicht auch Menschen aus Familie und Freundeskreis helfen. Warum lasse ich mich davon aufhalten? Wieso nehme ich mich und meine Bedürfnisse als unwichtiger wahr, als die von anderen? Haushalt und Garten können auch mal warten. Ich muss nicht immer für andere da sein und darf auch nein sagen. Dennoch tue ich es viel zu selten.

Damit bin ich wieder beim „Eigentlich“. Eigentlich weiß ich, was ich tun müsste, damit es mir besser geht. Ich kenne den Weg, dem ich auf meinem Weltenpfad folgen möchte. Mit einem leuchtendem Ziel vor Augen denke ich an die Zukunft. Vermutlich liegt hier das Problem.

Eigentlich und die Zukunft

Das Ziel mag noch so deutlich vor mir leuchten, aber wenn es nur wie die Sonne am Horizont blendet, bleibt es in unerreichbarer Ferne. Wie soll ich mich einer wagen Wolke nähern, wenn ich den Weg dorthin nicht sehe? Besser wäre es doch, den Waldrand anzuvisieren. Zu den Bäumen kann ich hinübergehen. Der Weg liegt deutlich vor mir. Von da aus kann ich nach weiteren Zielen greifen. Vielleicht steige ich in die Baumkronen empor und komme so der Sonne ein Stück näher.

TreeTopWalk am Edersee
Der Baumkronenweg am Edersee – faszinierend, inspirierend

Für mich bedeutetet es: Das Wort eigentlich ist wie die Sonne. Streiche ich es aus meinen Zielen und Plänen, dann kann ich auf dem Baumkronenweg meinen Träumen näher kommen. Sobald ich meine Schritte so formuliere, dass sie keine nebulöse Wolke sind wie „ich will schreiben“, sondern „ich werde jetzt an meiner Märchensammlung der Wolkenkatze arbeiten und sie innerhalb der nächsten zwei Monate veröffentlichen“, dann bin ich ein ganzes Stück weitergekommen.

Von nun an streiche ich eigentlich für die Formulierung meiner Ziele. Ich folge meinem Weg, indem ich nicht willkürliche Wegmarken in der Ferne anvisiere. Meine Wegsteine leuchten deutlich vor mir auf, damit ich die nächsten Schritte nicht aus den Augen verliere.

Wie sieht es mit dir aus?

Nutzt du das Wort eigentlich ebenfalls häufig? In welchen Fällen?

Folgst du klaren Zielen oder sind sie wie eine Nebelwand und du weißt noch nicht, wie du den Weg dahin erkennen sollst?

Ausblick

Vielleicht wird es der längst überfällige Beitrag über meinen Kobold, möglicherweise aber auch ein ganz anderes Thema. Lass dich überraschen.

8 Gedanken zu “Eigentlich … ”

  1. Ja, ich stimme auf jeden Fall zu, dass kleine Ziele für tägliche Motivation besser sind. Aber um die festzusetzen, solltest du auch wissen, was deine großen Ziele sind. Manchmal dauert es eine Weile, bis man herausfindet, wo man eigentlich (huch, wieder das böse Wort) hin will, aber ich denke, das ist auch ok. Gerade deshalb ist es ja so wichtig, dieses Wort beiseite zu schieben und auf das eigene Bauchgefühl zu hören! Das wird einen dann schon in die richtige Richtung schubsen.

    Wünsche dir jedenfalls viel Erfolg bei deinem Kampf gegen das Eigentlich! Nur 100 Wörter am Tag sind ja auch schon ein Fortschritt. 🙂

    • Besonders mit den 100 Wörtern stimme ich dir absolut zu. Auch bei den anderen Punkten hast du recht. – Aber ich glaube ich habe mich zu unklar ausgedrückt. Die großen Ziele kennen ist sehr wichtig für mich. Aber eben auch diese so formulieren, dass sie nicht wolkig bleiben. Sprich nicht „ich will schreiben“, sondern eher „ich will meine Dystopie schreiben und veröffentlichen“. Ergo konkreter.

  2. Liebe Eluin, ich kenne das so gut mit dem „eigentlich“. Ich verwende es immer dann, wenn ich etwas tun sollte, auf das ich gerade keine Lust habe, aber weiß, dass es gut wäre. z.B. Eigentlich sollte ich jetzt bügeln oder putzen, eigentlich würde mir eine Runde Joggen gut tun, eigentlich sollte ich noch diesen Anruf machen… manchmal muss es dann sein und man rafft sich auf. Ein anderes Mal gelingt es nicht und man bleibt eben doch auf de Couch liegen, statt an die frische Luft zu gehen.
    Danke für deinen Input, den ich sehr gerne gelesen habe. Du bereitest die Beiträge sehr schön auf. Liebe Grüße Judi

    • Liebe Judi,
      Deine Verwendung von „eigentlich“ kenne ich selbst auch zu gut. Mittlerweile lerne ich immerhin, dass ich mich nicht immer aufraffen muss, sondern manchmal die Wäsche auch noch ein oder zwei Tage warten kann und auf unserer Wiese weiterhin so schön der Klee blühen darf.
      Danke dir für dein Kompliment. Ich freue mich, dass dir meine Beiträge gefallen.
      Alles Liebe
      Laura / Eluin (ich höre mittlerweile auf beide Namen 😇)

  3. Zu diesem Beitrag hier wollte ich die ganze Zeit schon mal etwas schreiben. Nun bin ich endlich da. 🙂 Herr Buchstabenwiese passt unten auf Felix auf und ich kann mal kurz an den PC. *freu*

    Das Wort eigentlich begleitet mich noch immer. Soviel erst mal dazu. 😉

    Was ich aber eigentlich (grins) schreiben wollte, ist, wie sehr ich mich freue, dass du dich noch an alte Beiträge von mir erinnerst. Schön zu sehen, dass von mir Geschriebenes Menschen wie dich berühren, zum Nachdenken anregen. <3

    Außerdem hast du mich noch mal mit einer Idee angeschubst, die ich schon länger in mir trage, die aber wieder ganz tief in die hinterste Schublade gerutscht ist. Ich wollte nämlich ein paar meiner alten Beiträge aus meinem alten Blog wieder aufleben lassen. Ich bin noch unsicher wie genau, aber immer mal einen so zwischendurch. Mit diesem wollte ich eigentlich 😉 anfangen, weil du ihn erwähnt hast, und hierher verlinken. Nun habe ich mir diesen Beitrag mal rausgesucht, finde ihn allerdings gar nicht so supergut geschrieben. Normalerweise mag ich meine alten Beiträge, aber na ja, er ist inszwischen immerhin neun Jahre alt. Mal sehen, ob ich ihn trotzdem ganz verwende oder nur Auszüge daraus. Der Inhalt ist ja heute genauso wahr wie damals.

    Auf jeden Fall möchte ich meinen Blog wieder mehr Aufmerksamkeit schenken und habe schon ein paar Ideen, an denen ich aber noch feilen muss.
    Mir fehlt das Schreiben, also muss ich sehen, wie ich Felix und meinen Blog unter einen Hut bekomme. Irgendwann kommt sicher der Zeitpunkt, an dem es mit Felix einfacher wird, aber das dauert noch. So lange mag ich nicht warten. Ich fühle mich zurzeit so nutzlos und es macht mich unzufrieden, wenn ich immer nur auf den Kleinen aufpassen muss. So süß er auch ist, aber Frau hat ja auch noch andere Bedürfnisse. Der süße Schatz ist unglaublich fixiert auf mich, ich kann nirgends hingehen, ohne dass er mir folgen will. Ich glaube, nach seinem Klinikaufenthalt ist das noch schlimmer geworden.
    Alleine lassen geht auch noch nicht. Ich kann also nicht mal einkaufen fahren, komme gar nicht raus. Und wenn ich mit ihm im Garten bin, dann muss ich jede Sekunde aufpassen, weil er den Bienen und Hummeln nachjagt (ich habe schon zwei Bienenstachel von seiner Schnauze entfernt und ich glaube von zwei Hummeln ist er auch schon in die Schnauze gestochen worden) oder sich Steine und Äste zum Rumkauen sucht. Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich den Kleinen vor sich selbst schützen soll. *seufz* Ich habe jetzt schon Sorge, wenn erst Wespen hier herumfliegen.

    Mein Mann hat meine Unzufriedenheit schon bemerkt und passt jetzt so oft es geht auf Felix auf, damit ich mal Zeit nur für mich habe, so wie heute. 🙂 Ich liebe den Kleinen wirklich sehr, aber ab und zu brauche ich eine Auszeit. 🙂 Donnerstag macht mein Mann Homeoffice, wenn es geht, damit ich Vormittags zum Zumba Gold gehen kann. Das ist richtig erholsam, wenn ich dann mal von hier weg kann und unter Leute komme.
    Wenigstens weiß ich jetzt, wie sich Mütter mit kleinen anstrengenden oder hyperaktiven Kindern, die man keine zwei Sekunden aus den Augen lassen kann, fühlen müssen. 🙂 Man ist immer müde, obwohl man kaum etwas geschafft hat. 🙂

    Aber ich bin eigentlich 🙂 nicht zum Jammern hier hergekommen, sondern um dir von meiner Idee zu erzählen.
    Du hast übrigens einen sehr schönen Blog. <3

    Alles Liebe,
    Martina

    • Liebe Martina,
      Ich finde deine Idee mit den alten Beiträgen super. Aber gerade den eigentlich – Artikel habe ich vor kurzem nochmal gelesen. Schlecht? Nicht in meinen Augen. Mehr von dir lesen gefällt mir definitiv.

      Bei deinen Erlebnissen mit Felix muss ich immer wieder an die Erzählungen einer meiner Freundinnen mit ihren Kindern denken. Da sehe ich so viele parallelen. Trotzdem schön, dass du so einen kleinen Sonnenschein hast. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es anstrengend ist und du auf jeden Fall auch Zeit für dich brauchst. Super, dass dir dein Mann die gibt. Ich bin gespannt auf weitere Erzählungen und Fotos. Ich liebe deine Fotos.

      Danke für dein Kompliment zu meinem Blog 💕

      Alles Liebe dir
      Laura

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