NaNoWriMo 2016 – Tag 3

Lifrier Skizze

Gestern war das Schreiben eine Qual. Heute dagegen lief es so flüssig wie lange nicht mehr. Ich konnte in meine Welt eintauchen und mit ihr verschmelzen. Ein Wort nach dem anderen floss aus meinen Fingern und so habe ich bis zum Mittag das Nano-Soll locker runter getippt. Ich fühle mich wohl damit und bin begeistert, wie angenehm es heute war.

Deshalb möchte ich gar nicht viele Worte verlieren, sondern dir lieber direkt meinen heutigen Schnipsel zum Lesen geben. Du erinnerst dich an den Händler von gestern? Der Unbekannte im Schnee? Die Drei haben sich in einer Schutzhütte getroffen und nun offenbart der Lifrier Rajun gezwungenermaßen, wer er ist.

Tief atmete Tairyn ein. Dann flüsterte sie: „Rajun? Der Rajun?“
Der Mann legte den Kopf auf die Seite und berührte seine Nasenspitze mit dem Zeigefinger. Mehr nicht. Eine winzige Geste. Sollte sie Zustimmung bedeuten?
Allmählich beruhigte sich Tairyns Herzschlag. Leise fragte sie: „Warum das Versteckspiel?“
„Ihr kennt euch?“ Die Priesterin sah abwechselnd zwischen ihnen hin und her.
„Nein. Aber ich weiß, wer er ist.“ Tairyn senkte den Kopf, trat wieder zur Feuerstelle und angelte den Kochlöffel aus der Suppe.
Hinter sich hörte sie Rajun sagen: „Als kennen würde ich es nicht bezeichnen. Doch wie ich bereits sagte, mein Auftrag ist geheim. Mehr kann ich nicht sagen.“
Damit gab Lafira sich nicht zufrieden. „Es gibt in diesem Land genug Zwietracht, Geheimnisse und Misstrauen, dass man einen ganzen Ozean füllen konnte. Vielleicht sollten wir den Anfang machen und einander vertrauen. Mir scheint, unsere Aufträge haben mehr miteinander zu tun, als jeder von uns bislang annimmt.“
„Du hast einen Auftrag?“ Tairyn konnte sich nicht vorstellen, dass die Priesterin von jemandem Aufgaben entgegennahm, die darüber hinaus gingen, ihre Schützlinge im Auge zu behalten.
Rajun nickte zögernd. „Ja, das hat sie. Genau wie du und ich.“ Er winkte Tairyn zu sich. „Woher weißt du, wer ich bin?“
„Meine Großmutter hat mir viele Geschichten erzählt.“ Sie zuckte mit den Schultern und blieb stehen, wo sie war. Wollte sie wirklich in die Welt eintauchen, die ihr bislang verborgen geblieben war? Alles in ihr schrie danach. Mit Titz war der Grundstein gelegt worden. Nun musste sie nur den Schritt wagen, den sie nicht wahrhaben wollte. Rajun war kein Mensch. Er war ein Lifrier. Derjenige, den Serar ihr als Begleiter zur Seite stellte. Doch was war mit Lafira? Konnte sie ihr trauen? Überall lauerten die Spitzel der Garde. Gehörte sie dazu? Aber die Priesterin hatte recht. Jeder von ihnen war zerfressen von den Machenschaften der Garde. Vertrauen existierte kaum noch. Selbst Brinn wollte sie nicht ihre Geheimnisse erzählen. Ein schlechtes Zeichen. Es war tatsächlich an der Zeit, etwas zu unternehmen.
Laura Kier, „Der Träumer von Seraan – Schattenjäger“ (Ausschnitt aus Kapitel 4, Rohfassung)

Ein Lifrier? Ja. Es sind geflügelte Wesen, von denen nur noch vier auf Seraan existieren. Sie begleiten die Orakel von Neara und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Hier eine Skizze, die ich vor ein paar Jahren zum Volk der Lifrier angefertigt habe:

Lifrier Skizze
Skizze eines Lifrier

Wie sieht es mit dir aus?

Ich hoffe, meine Ausschnitte machen dich neugierig auf mehr. Hast du Fragen? Worüber wüsstest du gerne mehr?

4 Gedanken zu “NaNoWriMo 2016 – Tag 3”

  1. pyon sagt:

    Die Lifrier finde ich spannend! Und wenn du schon um Fragen bittest, würde mich interessieren, warum es denn nur noch vier von ihnen auf der Welt gibt? Im ersten Moment wirken sie auf mich doch etwas mächtiger, als einfache Menschen, aber mit einer gewissen Grazie!
    Sehr schöner Schnipsel!

    • Hehe, jaaa das ist tatsächlich eine spannende Frage. Wirklich spoilern tue ich dich nicht, wenn ich es hier verrate. Also es gibt sogenannte Traumbrücken zwischen den Welten. Diese wurden aber vor vielen Generationen geschlossen. Das heißt, keiner konnte mehr zwischen den Welten wechseln. Die Lifrier waren aber ein sehr reisefreudiges Volk und dadurch über zahlreiche Welten versprenkt. Ein paar wenige von ihnen waren auf Seraan gestrandet. Zu wenige, um eine eigene Population aufzubauen. Da sie allerdings sehr lange leben, sind noch vier von ihnen übrig geblieben. – Eigentlich könnte ich die Tage auch mal mehr zur Geschichte von Seraan verraten. Danke für die Idee und ich freue mich, dass dir mein Schnipsel gefällt und du Fragen stellst.

      • pyon sagt:

        Oh, danke für die ausführliche Antwort. 🙂 Der Gedanke von einem Moment auf den anderen von allen anderen des eigenen Volkes abgeschnitten zu sein ist schon sehr traurig. Aber es könnte es nicht eigentlich sein, dass irgendwo anders mehr Lifrier gestandet sind, die sich vermehren und somit das Volk beständig halten?

        • Auf anderen Welten definitiv. Aber nicht auf Seraan selbst. Wenn ich dir in die Richtung nun mehr erzähle, spoiler ich zu stark. Falls du das möchtest, dann per PN 😉

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