Bunte Lichter trotz grauer Wolken

Veröffentlicht von Laura Kier am

Der Blick aus dem Fenster ist trist und grau. Der Schnee ist vom Dach gegenüber verschwunden und die Sonne verbirgt sich hinter den Wolken. Lichtfunken sind keine zu sehen. Stopp! Wirklich?

Es ist Sonntag morgen, ich bin mit leichten Kopfschmerzen aufgewacht und fühle mich viel zu erschöpft. Trotzdem will ich mich nicht unter der schön warmen Bettdecke verkriechen und den restlichen Tag verschlafen. Es ist verlockend, aber so bin ich nicht. Da muss es mehr geben. Die innere Sehnsucht in mir ist bereits wacher als ich selbst. Also hebe ich ein wenig den Kopf und freue mich, dass auf dem Schuppendach der Nachbarn noch die Schneedecke zu sehen ist. Wenn ich mich noch mehr bewege und den Blick in alle Richtungen wende, finde ich bestimmt weitere Lichtfunken …

Noch ein wenig steif von der Nacht trete ich ans Fenster des Schlafzimmers. Die Spuren unseres Besuchers von gestern sind zwar nur noch zu erahnen, da der Schnee auf der Wiese mehr und mehr schmilzt, aber in der Erinnerung ist die Szene lebendig. Belana hat die Nutria als Erste entdeckt. Neugierig hockte sie auf dem Regal im Arbeitszimmer – zwei Räume weiter von meinem aktuellen Ausblick – und schaute hinaus. Ich rief meinen Mann dazu und zu dritt beobachteten wir, wie das Tierchen einen Grashalm nach dem anderen knabberte. Später sahen wir, dass Kiki ihren eigenen Beobachtungsposten dort bezogen hatte, wo ich nun stehe.

Ich verlasse das Schlafzimmer und werfe einen Blick auf die Felder hinter unserem Garten. Immer mehr grünliche Halme recken die Köpfe zwischen den weißen Schneeresten empor. Ich bin ein wenig traurig, dass das Winterwunderland allmählich verschwindet. Doch da überlagert eine Erinnerung meine Wahrnehmung und bringt mich zum Lächeln. Die Landschaft vor mir taucht in das Licht des Sonnenuntergangs ein. Alles wirkt wärmer und die Farben satter. Die Pappeln blühen und unzählige Samen fliegen durch die Luft, glänzen im Sonnenschein. Beinahe wie die Schneeflocken im Januar. Alles wirkt märchenhaft und als ob die Zeit stillstehen würde. Zumindest für einen Moment, bis die Sonne sich für die Nacht verabschiedet.

Mein Weg führt weiter durch die Wohnung und schließlich sitze ich mit einer Scheibe selbst gebackenes Brot am Schreibtisch. Ich möchte weiterschreiben und meine Gedanken vertiefen. Dabei wandert mein Blick wieder aus dem Fenster. Ein paar vereinzelte Schneeflocken rieseln vom Himmel. Es sind nicht viele und doch bringen sie mich zum Lächeln. Ich erinnere mich an die vielen Schneespaziergänge und unseren Ausflug in den Drömling in den vergangenen Wochen. Außerdem sah ich im vergangenen Jahr, wie sich mehrere Regenbögen über das Nachbarhaus spannten. Leichter Nieselregen fiel anstelle von Schneeflocken vom Himmel. Die Sonne beleuchtete alles, wodurch ein warmes Licht die Umgebung flutete.

Ich betrachtete wieder die Zeilen auf dem Bildschirm und komme auf die Idee, Bilder herauszusuchen, um sie mit diesem Text zu teilen. Auf der Suche nach Fotos des Pappelflugs stoße ich auf weitere Lichtfunken, die ich beinahe vergessen hatte. Kurze Momente in der Natur mit bunten Blüten, vielen verschiedenen Tieren und Landschaften im Wechsel von Licht und Schatten. Aber auch Messen und Conventions sehe ich beim Scrollen. Die Suche nach meinem Hochzeitskleid und eine niedliche Figur, die ich nur zu gerne mitgenommen hätte: Ein Gespenst mit Schnurrhaaren hält in der Hand ein Schild mit der Aufschrift ›I see real people‹. Ich glaube, seitdem haben es mir Gespensterkatzen angetan.

Ich scrolle weiter, sehe Ausflüge in den Vogelpark Walsrode gefolgt von der Lüneburger Heide und der Nordseeküste. Kiki und Belana entdecke ich immer wieder. Dazu vieles anderes, was mich zum Lächeln bringt. Bei meinem geworfenen Brautstrauß halte ich kurz inne. Zu deutlich ist die Erinnerung an die Hochzeit und wie ich bei den Vorbereitungen laut lachte, als ich die Idee des alternativen Brautstraußwurfs in einem Buch gelesen hatte.

Ich als Braut mit meinem Brautstrauß und dem alternativen Brautstrauß - ein Stofftier - zum Werfen

Den Pappelflug habe ich nicht gefunden, dafür viele andere schöne Augenblicke des vergangenen Jahres sowie unzählige Details, die ich in meine Bücher einflechten mag.
Während einer Wanderung im September entdeckte ich mehrere goldene Weihnachtskugeln am Straßenrand.

Darauf rätselte ich mit meiner lieben Freundin und Autorenkollegin Kimberly per WhatsApp, was geschehen sein könnte. Ihre Idee: »Der Weihnachtsmann wurde von Zwergen in den Untergrund entführt 🤨«
Mein Gedanke ging mehr in die Romance-Richtung: »Ein eskalierter Streit mit einem involvierten Weihnachtsbaum und Christbaumschmuck als Schneebälle im Spätsommer.«

Eine Weihnachtsbaumkugel liegt zwischen grünen Pflanzen am Feldrand

Wahrscheinlicher ist, dass der Wind oder Tiere die Kugeln vom Müll dorthin getragen haben, doch in meinen Augen auch langweiliger. Lieber denke ich um die Ecke und lasse mich von abstrusen Ideen überraschen. Dadurch entdecke ich nicht nur neue Ansätze für meine Bücher, sondern oft zahlreiche Lichtfunken, die mich zum Lächeln bringen.

So auch heute. Ich lasse den Blick aus dem Fenster nicht einfach grau und trist sein. Gerade ist der Ausblick sogar besonders süß und voller Zucker. Dabei brauche ich mir nicht einmal die Welt außerhalb und hinter der Glasscheibe ansehen, sondern kann im Arbeitszimmer verweilen. Belana liegt auf ihrem Regal, die eine Pfote ausgestreckt, die Schwanzspitze über die Augen gelegt und döst vor sich hin. Ihre Schnurrhaare zucken leicht und ihre ruhige Atmung entspannt mich beim Zusehen.

Der Ausflug zu all den Erinnerungen des vergangenen Jahres bringt mich zum Lächeln. Mehr und mehr Lichtfunken tauchen auf und selbst die Kopfschmerzen werden schwächer. Ich bemerke deutlich, wie sich meine Stimmung verwandelt hat und ich freue mich auf einen Sonntag mit neuen Lichtfunken, die ich sammeln kann.

Welche Lichtfunken sind dir heute bereits begegnet? Hast du Lust, diese zu teilen?

Alles Liebe

Laura Kier



Laura Kier

»Träume verändern die Zukunft. Doch erst wenn wir die Augen öffnen, können wir sie verwirklichen!« Mit diesen Worten in Gedanken, schafft Laura Kier magische, mystische und vielleicht auch gefährliche Welten voller Abenteuer, die Lichtfunken in dein Leben tragen können. Sie lädt mit ihren Texten Leser:innen ein, den eigenen Träumen zu folgen. Neben dem Schreiben genießt sie die Natur, liebt das Leben und ist vielfältig kreativ unterwegs, wenn ihre beiden verspielten Katzen es erlauben.

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