Ein Klingeln verändert das Leben

Veröffentlicht von Laura Kier am

Ich liege im Bett, spüre das Gewicht von Kiki und Belana an den Beinen. Ich höre ihren Atem, freu mich, dass sie da sind. Doch gleichzeitig bin ich traurig. Ein Fell-Familienmitglied ist heute den Weg über die Regenbogenbrücke gegangen. Meine »Katzennichte« wurde angefahren und ist nun ein Sternenkätzchen. Sie war nicht die jüngste und doch hätte sie noch ein paar Jahre ein Teil unserer Familie sein können. Dieser Unfall und meine Reaktion darauf erinnert mich daran, dass ich den Augenblick viel mehr wahrnehmen möchte. Leider lasse ich diesen Wunsch viel zu oft in den Hintergrund treten.

Die Katze Mietz liegt unter einigen Pflanzen auf Rindenmulch im Schatten

Häufig rauscht der Alltag an mir vorbei und ich habe das Gefühl, zu langsam zu sein, nicht gut genug und vor allem viel mehr schaffen zu müssen. Dadurch dränge ich an den Rand, was wirklich zählt:

  • Genießen, was da ist.
  • Aufhören nach dem zu jagen, was sein könnte, wenn ich mehr Energie und Konzentration für alles hätte.
  • Und stattdessen anzunehmen, dass meine Ressourcen begrenzt sind und ich oft weniger Heidelbeeren zur Verfügung habe, als mir lieb ist. Vor beinahe zehn Jahren kam mir die Idee, meine Erkrankung mit Hilfe eines Heidelbeerstrauchs zu erklären: »Die Magie des Heidelbeerstrauchs«.

Ich weiß nicht, ob es mir jemals gelingen wird, den Großteil meiner Zeit mehr im Jetzt zu leben, aber ich möchte mich regelmäßiger bewusst in den Moment fallen lassen. Belana und Kiki gelingt es, mich daran zu erinnern. Sie setzen sich vor meine Tastatur, zeigen mir, dass sie meine Aufmerksamkeit möchten.

Es macht mich allerdings traurig, wenn ich daran denke, wie häufig ich in Gedanken weiterarbeite oder hoffe, nur kurz mit ihnen ›kuscheln zu müssen‹. Dabei sind diese Momente die wertvollsten Lichtfunken im Alltag für mich. Aber ich setze mich oft so unter Druck, Leistung zu bringen, dass ich das, was mir wirklich wichtig ist, zur Seite dränge.
So möchte ich nicht weiterleben. Ein Türklingeln – wie bei meiner Schwester gestern Vormittag – kann alles verändern.

Veränderung begleitet uns ständig und ich liebe es, all die Möglichkeiten zu erkunden und in der Natur zu beobachten. Doch sie zeigt mir auch, dass nichts ewig währt, selbst wenn ich es mir noch so sehr wünsche. Eines Tages werden auch Belana und Kiki zu Sternenkätzchen und auch ich werde weiterziehen. Bis dahin können wir hoffentlich noch viele schöne Jahre zusammen genießen. Deshalb möchte ich häufiger die Pause-Taste in meinem Leben drücken und verhindern, dass die schönen Momente an mir vorbeirauschen, weil ich daran denke, was ich noch erledigen sollte.

Im Moment sein

Das leise Quietschen von Kiki bringt mich zum Lächeln. Auch wenn ich gerade wach liege und nicht schlafen kann, brauche ich mich nicht ärgern, sondern genieße bewusst den Moment. Schlaflos heißt für mich schon länger, dass ich dennoch entspannen und glücklich sein kann (vor über zwei Jahren habe ich zu dem Thema den Blogartikel »Schlaflos glücklich? Ja!« geschrieben).
Es ist für mich eine ruhige Zeit nur für mich. In diesen Momenten spüre ich besonders gerne in mich hinein, nehme jeden Atemzug wahr und genieße die Nähe meiner Lieben. Es gelingt mir, im Jetzt zu sein, nicht den nächsten Schritt zu machen, sondern meine Gedanken zu sortieren. Oft schreibe ich in solchen Wachphasen und nutze die Ruhe der Nacht, tief in meine Welten und mich selbst einzutauchen.
Gerade diese Zeilen zu notieren, entspannt mich. Ich bin traurig, dass Mietz gegangen ist und gleichzeitig glücklich, dass sie mich daran erinnert, wieder bewusst zu leben. Der Frust des Alltags kann ziehen. Die Lichter in meinem Leben werden heller.

Vielleicht brauche ich eine Weile, das umzusetzen, was ich mir wünsche. Aber ich habe bereits viele Veränderungen in meinem Leben erreicht und werde auch diesen Schritt gehen. Doch jetzt genieße ich die Wärme von Kiki an mir – Belana ist mittlerweile aufgestanden – und den ruhigen Atem meines Mannes. Die Nacht hat noch ein paar Stunden.

Auch wenn meine Gedanken wieder in die Zukunft wandern, bleibe ich in der Wahrnehmung des Moments. Über Schmerzen in Armen und Beinen bin ich zwar nicht glücklich, aber eigentlich sind auch diese eine Erinnerung: Sorg anders für dich. In den vergangenen Wochen habe ich meine Yogaübungen viel zu sehr schleifen lassen. Ständig schob ich ein niedriges Energielevel vor, um die Matte eingerollt im Wohnzimmer liegen zu lassen. Dabei weiß ich, dass mich die sanften Dehnungen beim Energieaufbau unterstützen und meine Muskeln und Nerven entspannen, wodurch ich besser schlafe.
Ähnlich ist es beim Schreiben. Mehr als einmal habe ich erlebt, wie meine Welten langsamer wachsen, wenn ich den Druck erhöhe und mir nicht die Zeit für das nehme, was mir guttut. Trotzdem kippe ich ständig in alte Muster zurück und brauche oft ein unangenehmes Aufrütteln, um wieder etwas zu verändern. Das niedrige Energielevel der vergangenen Wochen hat dieses Mal nicht gereicht, um mich erneut zu wecken. Der vergangene Tag schafft es allerdings. Ich komme wieder bei mir selbst an.

Meine Familie und ich werden sicherlich noch eine Weile um Mietz trauern. Trotzdem bin ich dankbar für all die Momente, die sie uns geschenkt hat. Ebenso dankbar bin ich für die Augenblicke, die Kiki und Belana mir täglich zeigen. Die Trauer ist ein Teil davon und ich merke, dass Gutes aus den vergangenen düsteren Stunden entsteht.

Alles Liebe

Laura Kier



Laura Kier

»Träume verändern die Zukunft. Doch erst wenn wir die Augen öffnen, können wir sie verwirklichen!« Mit diesen Worten in Gedanken, schafft Laura Kier magische, mystische und vielleicht auch gefährliche Welten voller Abenteuer, die Lichtfunken in dein Leben tragen können. Sie lädt mit ihren Texten Leser:innen ein, den eigenen Träumen zu folgen. Neben dem Schreiben genießt sie die Natur, liebt das Leben und ist vielfältig kreativ unterwegs, wenn ihre beiden verspielten Katzen es erlauben.

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