Keksgekrümel
Dutzende verbotene Sterne von Laura Kier
»Zweihundert Gramm Mehl. Einhundert Gramm Fett. Einhundert Gramm Zucker.« Die Waage bestätigt die Ladung. Dann wirbeln die Mixstäbe die einzelnen Komponenten durcheinander, bis ein glatter Teig entsteht. Backroboter Fünf-R-Eins-Eins prüft die Konsistenz mit dem Tensiometer. Erfolgreich. Schritt Eins-C abgeschlossen.
Die mechanische Hand des Bäckers hebt den Teig aus dem Rührautomaten und platziert ihn auf der Edelstahlfläche der zwei Quadratmeter großen Kammer. Wie bei jeder frischen Ladung übt Fünf-R-Eins-Eins genau den richtigen Druck aus, um den Teig gleichmäßig zu verteilen, und anschließend runde Formen mit dem in seinen Finger eingelassenen Messer auszuschneiden. Exakte Kreise. Erfolgreich. Schritt Zwei-C abgeschlossen.
Zwanzig gold-gelbe Rohlinge hebt Fünf-R-Eins-Eins in den Ofen. Dritte Etage, Fünfzehn Minuten bis zur gewünschten Bräunung. Schritt Drei-C abgeschlossen.
»Die Produktionszeit ist angemessen«, ertönt es in den Datenwindungen des Backroboters. Alles an diesem Tag läuft nach Normvorschrift. Leider.
In einer fließenden Bewegung entfernt Bäcker Fünf-R-Eins-Eins die gebräunten Kreise aus der ersten Etage und platziert sorgfältig jeweils fünf der Kekse in vier Schachteln. Mit einer rosafarbenen Schleife verziert, stellt er die vier weißen Schachteln in die leere Auslage – sein winziges Fenster zur Außenwelt.
Niemand wartet auf die nächste Ladung. Ein unruhiges Kribbeln läuft darauf durch seine neuronalen Bahnen. Er sendet keine Anfrage an die Datenbank zur Interpretation. Diese Empfindung darf er nicht wahrnehmen, ansonsten droht ihm die Deaktivierung. Schnell vergräbt er darauf das Kribbeln tief unter unwichtigen Daten in seinem Erinnerungsspeicher.
Dennoch: Erfolgreich. Schritt Vier-A abgeschlossen.
