Winterwunder mit Nutria und Vogelspuren

Veröffentlicht von Laura Kier am

Anfang Januar wollten wir raus, den Schnee erleben und an Marvins letztem Weihnachtsurlaubstag noch etwas Besonderes machen. Wir bekamen einen glitzernden Tag mit Nutriabegegnungen, Sonnenschein und knirschenden Schritten durch den Drömling geschenkt. Wenn du Lust hast, genieße zusammen mit mir die Erinnerung an diesen Tag.

Auf dem Hinweg schrieb ich in mein Notizbuch: »Mit Schnee sieht alles viel freundlicher und angenehmer aus. Aber Wanderungen brauchen längere Vorbereitung: Warmes Wasser, heißer Tee, dicke Kleidung … Nicht wie im Sommer, wo wir barfuß und in kurzer Hose von drinnen nach draußen laufen können.
Die Straßen sind nur zum Teil geräumt und verschmutzte Schneehaufen säumen den Rand. Trotzdem freuen wir uns auf diesen Ausflug. Die Sonne scheint und alles leuchtet. Das Grau in Grau der vergangenen Wochen ist beinahe vergessen. Die Vorfreude auf einen magischen Winterspaziergang begleitet die Fahrt.«

Straße mit Bäumen am Rand. Die Stämme und Felder sind von Schnee bedeckt

Nicht nur die Fahrt erlebte ich als entspannten Gegensatz zu den für mich zu vollen Tagen um Weihnachten und Silvester. Immer wieder tanzte ich durch den Schnee. Genoss die Ruhe um uns herum und freute mich über die Schönheit. Ich liebe den Drömling auch zu anderen Jahreszeiten, aber unter der Schneedecke verzauberte mich die Landschaft aus Wassergräben, Wiesen und Erlenbruchwald auf ihre ganz eigene Weise.

Viele Gräben waren gefroren. An einigen Stellen konnten wir die Spuren von Tieren entdecken. Die Natur darf entlang des Wanderwegs ihrem eigenen Rhythmus folgen. Mittlerweile gibt es sogar ausgewiesene Kernzonen, die nur noch zu Forschungszwecken betreten werden dürfen. Klar würde ich mir auch die gerne ansehen, aber ich bleibe lieber auf den Wegen und freue mich darüber, dass es diese Bereiche gibt.

Auch außerhalb der Kernzonen gibt es spannende Natur. An vier Stellen begegneten wir Nutria. Ich mag die Tiere. Sie wirken wie kleine Überlebenskünstler. Bei uns in der Nähe im Tierpark haben sie sich sogar freiwillig angesiedelt, weil sie dort gefüttert werden.
Im Drömling haben wir sie mehrfach in freier Wildbahn beobachten können. So auch an diesem Tag.

Die erste huschte über einen der gefrorenen Gräben ans andere Ufer. Die Spuren zeigen deutlich, wo der Schwanz die dünne Schneeschicht berührte. Wir folgten dem Weg weiter und entdeckten einen Artgenossen im Wasser. Es knabberte ein paar Gräser und sah aus, als würde nicht schmecken, was es zwischen den Zähnen hatte. Schon schwamm es weiter, um den nächsten Halm zu testen.
Dem dritten Nutria begegneten wir einige Zeit später, als wir einen Holzsteg betraten. In großen Sprüngen huschte es durch den Schnee und versteckte sich vor uns unter Ästen und Zweigen.
Nach einer kurzen Rast gingen wir weiter und ich sagte zu Marvin: »Die Nutrias mögen uns heute.«
Als hätten sie mich gehört und nur auf das Stichwort gewartet, rannte ein weiteres unter dem Holzsteg hervor und ließ sich fotografieren, während es in der Sonne badete.

Für mich sind derartige Tiererlebnisse mehr als nur ein Lichtfunken. Sie zeigen mir, wie lebendig alles ist und das Überraschungen uns überall erwarten können. Das schafften sogar die Rinder, die für die Weidelandschaften im Drömling so typisch sind. Einem der Tiere hing ein Büschel Gräser oder Heu aus dem Maul. Die Herde beobachtete uns mindestens genauso neugierig wie wir sie, als ich mich mit der Kamera näherte.

Auch Fischreiher, Silberreiher und andere Vögel standen mal im Wasser, wo die Gräben nicht gefroren waren, oder flogen über uns hinweg.
Ich finde es gerade im Winter spannend, all die Vögel zu beobachten. Trotz der Kälte brechen einige nicht in den Süden auf, obwohl ihre Artgenossen es tun. Bei uns am Feldweg habe ich im Dezember und Januar sogar häufiger einen Storch beobachtet. Ich hoffe, er übersteht die kalte Jahreszeit gut.

Auch das Spiel von Licht und Schatten war bei unserem Ausflug in den Drömling fesselnd. Immer wieder schien die Sonne durch die Baumkronen. Sie stand recht tief, obwohl wir früh unterwegs waren. Für Anfang Januar allerdings nicht verwunderlich. Auf den letzten Metern der Strecke setzte sogar die goldene Stunde ein, wodurch alles noch kräftigere Farben bekam und leuchtete.

Dieses Leuchten der goldenen Stunde bemerkte ich vor allem bei den Detailaufnahmen. Ich liebe es, wie farbenfroh der Winter sein kann.

Trotz längerer Strecke und Minustemperaturen war mir erstaunlich warm an diesem Tag und ich genoss jeden Schritt. Wäre mein Energielevel höher gewesen, wäre ich am liebsten bis zum Sonnenuntergang über die Wege im spaziert. Es gab so viel zu entdecken. Eine derartige weiße Wunderwelt gibt es bei uns in der Region normalerweise nur an wenigen Tagen im Jahr.

Auch wenn ich nach der Wanderung erschöpft war, kehrte die Leichtigkeit in den Alltag zurück. Die nächsten Tage war ich entspannter und sobald ich mich an diesen Ausflug erinnere, denke ich an die Stunden im Drömling voller Licht und Natur.

In diesem Jahr bleibt der Schnee erstaunlich lange. Dadurch sind die Spaziergänge während der kalten Jahreszeit weniger trist und grau. Durch die weiße Decke zeigt sich die Natur ein wenig geheimnisvoll und gleichzeitig, als hätte sie ihr schönstes Sonntagskleid angezogen. Für mich ist Schnee in jedem Winter, als würden magische Funken auf die Erde segeln, die mich zum Lächeln bringen und mir Tage voller Möglichkeiten schenken. Auch in diesem Jahr hat der Schnee mehr bewirkt, als mir nur ein paar entspannte Stunden in der Natur zu gönnen. Ich habe mir viele Notizen gemacht und meine Begeisterung wiederentdeckt, die Atmosphäre um mich herum einzufangen und in Worte zu gießen.

Jetzt bin ich gespannt, wohin mich meine Naturbeobachtungen führen werden und ich freue mich darauf, in den kommenden Jahreszeiten all die anderen Wunder der Natur zu entdecken und in meine Bücher sowie Phönixpost – meine ein- bis zweiwöchige Auszeit für dich – einfließen zu lassen.

Was fasziniert dich, wenn draußen der Schnee fällt?

Ich wünsche dir, dass du ihn ebenfalls genießen kannst und du viele interessante Momente diesen Winter erlebst.

Alles Liebe

Laura Kier



Laura Kier

»Träume verändern die Zukunft. Doch erst wenn wir die Augen öffnen, können wir sie verwirklichen!« Mit diesen Worten in Gedanken, schafft Laura Kier magische, mystische und vielleicht auch gefährliche Welten voller Abenteuer, die Lichtfunken in dein Leben tragen können. Sie lädt mit ihren Texten Leser:innen ein, den eigenen Träumen zu folgen. Neben dem Schreiben genießt sie die Natur, liebt das Leben und ist vielfältig kreativ unterwegs, wenn ihre beiden verspielten Katzen es erlauben.

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