Mit Steinen den Sternen entgegen

Zeit gut einteilen

Habe ich Selbstzweifel? Definitiv! Vielleicht ist es eine Autorenkrankheit, auf jeden Fall sind sie immer wieder da und blockieren mich. Dabei sind sie eigentlich gar nicht verkehrt. Sie holen mich auf den Boden zurück und geben mir die Chance, zu wachsen. Aber vor allem zeigen sie mir auch, wo ich vergesse, dass ich mir meine Kräfte einteilen sollte.

Scherben und Steine

Manchmal – in letzter Zeit zu häufig – zerbrechen Träume, Pläne und Hoffnungen. Ich fühle mich unsicher, weiß nicht, wohin ich mich wenden soll und mir fällt es schwer, die positiven Aspekte meines Lebens zu sehen. Eigentlich liebe ich das Leben. Normalerweise kann ich überall einen Funken entdecken, der die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Welt für mich widerspiegelt. Ich weiß, dass es Licht gibt, auch wenn kurzzeitig ein paar Steine auf meinen Weg gekullert sind. Macht nichts. Ich kann etwas hübsches draus bauen und vielleicht werden sie ja zu einer Brücke, die zu den Sternen führt. Oder auch nicht …

An schwarzen, dunklen Tagen, stolpere ich über jeden Kiesel. Mir fehlt Licht, um die schillernden Schlieren auf der Oberfläche der Steine zu betrachten. Meine Kreativität lässt sich von der Dunkelheit gefangen nehmen und sucht nicht länger nach Auswegen, die zurück zu den Sternen führen. Dadurch übersehe ich die Möglichkeiten, die die Steine bieten. Meine Gedanken kreisen nur noch in festgefahrenen Mustern. Immer wieder suche ich den Absprung. Beobachte mich von außen und weiß, dass ich im Loch kein Leuchten finden werde, sondern dafür hinausklettern muss. Weiter dreht sich das Karussell. Schneller und schneller. Negative Gedanken, Ängste, Selbstzweifel krallen sich fest. Und dann der Blick auf die Scherben zu meinen Füßen.

Scherben. Scharf und doch unscheinbar. Manche sind durchsichtig und ich versuche sie zu verdrängen. Träume, die ich mit mir ins Loch gerissen habe. Das nächste Buch veröffentlichen? Nicht so schnell. Dafür müsste ich erstmal den Dreh bekommen wieder regelmäßig zu schreiben. Ausreichend Geld haben, um mich nicht wie ein Parasit zu fühlen oder körperlich eine Chance haben wenigstens halbwegs ein Leben zu führen, das sich als solches bezeichnen lässt? Weiterhin mich nutzlos fühlen oder mich selbst so sehr unter Druck setzen und alles tun, worum mich andere bitten statt mal Nein zu sagen und an mich zu denken? Beinahe unmöglich.

Geld, Gesundheit, Zukunft, Liebe, Angst. Themen, die mich begraben und meinen Selbstzweifeln Nahrung geben. Aber ich will nicht in der Dunkelheit bleiben. Also, wie geht es weiter?

Die Augen öffnen

Ich finde es alles andere als einfach, das Karussell zu stoppen. Ich spüre regelrecht, wie Hormone durch meinen Körper schießen und mein Denken fesseln. Es ist leicht für mich einen Schritt zur Seite zu gehen und all das wahrzunehmen, aber das Karussell anzuhalten ist eine ganz andere Sache. Manchmal hilft es mir, mich abzulenken oder mir vor Augen zu halten, was ich habe und trotz Erkrankung erreiche. Lieber verschieße ich die Augen davor. Ich will gesund sein. Arbeiten, meinen Beitrag leisten. Ich mag meinen Job, ich liebe Herausforderungen und ich will, für das Feuer in meinem Herzen kämpfen. Egal, was es mich kostet. Nein! Es ist nicht egal. Dieser Weg lässt mich abstürzen. Mittlerweile weiß ich, dass die Heidelbeeren, die mir täglich zur Verfügung stehen, wertvoll sind und ich sie nicht achtlos verschwenden sollte. Dennoch tue ich es. Auch derartige Kreisel kosten mich viel Kraft. Also brauche ich zügig Leitern und Rettungsseile, an denen ich zum Licht emporsteigen kann.

  • Die schönen Seiten hervorheben – eine gute Idee, lässt mich oft genug völlig kalt, wenn ich zu tief drin stecke. Ich nehme sie wahr, finde sie positiv, aber es berührt mich nicht, dringt nicht zu mir durch.
  • Positiv denken, Achtsamkeit, Meditation – all die hilfreichen Konzepte, die ich mir aufgebaut habe und zur Zeit absolut schleifen lasse, ignoriere ich oder mir fehlt der Zugang. Ja, ich bin grundsätzlich positiv eingestellt. In solchen Momenten ist das Karussell aber zu schnell. Außerdem nehme ich achtsam wahr, was gerade vor sich geht. Meditieren kann mich leider nicht aufsteigen lassen, weil ich nicht zur Ruhe finden will.
  • Neue Möglichkeiten suchen – Konzepte, die Spaß machen, ablenken oder mich in neue Richtungen stupsen, könnte es viele geben, aber ich sehe oder folge ihnen nicht. Entweder ich fühle mich unter Druck gesetzt oder rutsche noch tiefer, weil es eh nicht so klappt, wie ich möchte. Meine Vorstellung bekomme ich oft nur schwer mit der Realität überein.

Aber eine Geheimwaffe habe ich: Offenheit. Wenn ich mir eingestehe, in welcher Situation ich mich gerade befinde und mir dadurch erlaube zu fühlen und nicht nur zu funktionieren, dann komme ich der Achtsamkeit näher und auch mir selbst. Ich werde ruhiger. Bekomme die Möglichkeit einzugreifen. Dann fange ich an, mich nicht nur hin und her zu wälzen, sondern nehme erstmal wahr, wie es mir gerade wirklich geht. Plötzlich ist auch die Frage nach den Selbstzweifeln zweitrangig. Ich kenne meine Schwächen und Stärken, aber ich habe alles tief im Loch begraben. Da hilft nur einen Spaten holen und mir den Weg frei schaufeln.

Dranbleiben – dem Licht folgen

Aber was ist mein Spaten? Wie verlangsame ich das Karussell, um wieder zu mir selbst zu finden und die Zweifel hinter mir zu lassen? Die Natur (nicht immer eine Option), Katzen (habe ich nur selten in Knuddelreichweite), Essen (wenig sinnvoll), schreiben oder malen (meine Kreativität ist in solchen Momenten oft unerreichbar), Hausarbeit oder andere Tätigkeiten wie programmieren oder überarbeiten (nützlich, aber willkommen zurück in der Tretmühle aus selbstgesetzten Verpflichtungen) – eine Liste, die ich noch lange fortführen könnte. Kurz gesagt, es gibt für mich kein zuverlässiges Rezept. Mal hilft es mir, einen Blogbeitrag zu verfassen, dann ist es ein Spaziergang oder die Möglichkeit neuen Plotideen zu folgen. Aber auf jeden Fall ist für mich wichtig am Glauben festzuhalten.

Glauben. Für viele mit Kirche, spirituellen Erfahrungen oder alten Denkmustern behaftet. Ich kenne sehr gläubige Menschen, die von Instanzen wie Gott und Jesus überzeugt sind. Wenn es ihnen hilft, gerne. Mein Weg ist es nicht. Für mich zählt vielmehr der Glaube an mich selbst. An das Leben und daran, dass auf Regen wieder Sonne folgt. Herausforderungen sind da, damit ich wachsen und mein Selbstbewusstsein stärken kann. Aber dazu sollte ich offen zu mir selbst sein. Was gefällt mir gerade nicht? Wohin will ich mich richten und wie kann ich meinen Glauben bestärken, dass ich dieses Ziel auch erreichen werde?

Ich bin ein optimistischer Realist. Mir fällt es leicht, die Perspektive zu wechseln und Situationen anders zu betrachten. Reflektieren über meine derzeitige Situation und darüber nachdenken, wohin ich will, helfen mir, die Wurzeln abzuschütteln, die mich in der Dunkelheit halten wollen. Ich steige bewusst aus dem Karussell aus, betrachte von außen, wie sich alles dreht. Dafür brauche ich Ruhe um mich herum. Eingekuschelt im Bett, in der Badewanne, bei einem Spaziergang … Es gibt viele Orte, wo mir der Schritt zur Seite gelingen kann. Aber ich muss dafür bereit sein, mich bewusst dazu entscheiden. Oft genug weiß ich genau, was schief läuft, dennoch tue ich nichts dagegen und wehre mich gegen den Schritt zur Seite. Dabei hilft er mir, ganz bewusst wahrzunehmen, was ich ändern müsste, um mich wieder wohlzufühlen.

Zeit gut einteilen
Gute Zeiteinteilung ist wichtig, aber nicht immer klappt sie so, wie ich es mir wünsche. Wohin gebe ich meine Heidelbeeren?

Im Moment fehlt mir das Schreiben. Viel zu viele Stunden habe ich bereits mit der Umsetzung der DSGVO verbracht und noch bin ich nicht fertig. Mein Debüt-Roman läuft nicht wie erhofft, Selbstzweifel ersticken mich und ich halse mir viel zu viele fremde Arbeiten auf, statt nein zu sagen. – Die DSGVO muss ich umsetzen, aber nur ich selbst verlange von mir, die Heidelbeeren eines ganzen Tages damit zu verbrauchen. Noch habe ich bis zum 25.5 Zeit und es fehlt nicht mehr so viel. Also raus aus dem Karussell und meine Kraft besser einteilen. Ich brauche nicht zu allem Ja sagen, aber zu mir. Vor allem sollte ich mir vor Augen halten, dass die negativen Aspekte in den Rezensionen alle in eine behebbare Richtung zielen und sich die Rezensenten zumindest darin einige waren, dass sie meinen Schreibstil durchaus gut finden. Von daher: Weg mit den Selbstzweifeln und wieder Zeit nehmen, um meinem eigentlichen Weg zu folgen. Das heißt für mich: Schreiben, malen und spazierengehen sollen auch ausreichend Heidelbeeren bekommen. Dann schaffe ich es auch, mit den unliebsamen Dingen wie der DSGVO eine Brücke zu den Sternen zu bauen.

Wie sieht es mit dir aus?

Wie gehst du mit Selbstzweifeln um? Was bringt dich in der Dunkelheit dazu, an dich selbst zu glauben? Hast du eine Möglichkeit gefunden, deinen Weg zu beleuchten?

4 Gedanken zu “Mit Steinen den Sternen entgegen”

  1. Liebe Laura,
    ich lese gerne Erstautorinnen, weil ich dann die Weiterentwicklung in den folgenden Büchern erkennen kann – das ist für mich sehr spannend -, weil sie neue Ideen mitbringen und nicht so in Floskeln verhaftet sind.

    Ich habe deinen Roman übrigens bereits gelesen. Mir hat er – im Gegensatz zu anderen – sehr gut gefallen. Es passiert viel, das finde ich gut, originelle Ideen, ein gutes Lektorat (außer zwei kleinen Zeitfehlern konnte ich auf den ersten Blick nichts entdecken). Die Figuren sind zwar wenig beschrieben, dadurch wirken sie nicht so plastisch, aber sie sind sympathisch und machen Freude auf mehr. Der Roman endet so, dass ich mich auf eine Fortsetzung sehr freuen würde. Ich war innerhalb kürzester Zeit fertig, weil er so spannend war. Manche Gedankengänge der Personen sind zwar wiederholt vorgekommen und hin und wieder auch eine Floskel, aber das stört weniger, weil doch immer wieder etwas passiert, das die Geschichte vorwärts bringt. Du kannst gut mit Worten umgehen und dein Vokabular ist umfangreich. Die kurzen Kapitel sind angenehm, da ich meist in den Öffis lese. Die Sätze sind unterschiedlich lang, aber doch eher kürzer, was auch gut ist, dadurch konnte ich den Roman flüssig und ohne Ermüdung lesen.
    Wenn du noch eine Testleserin für deinen nächsten Roman brauchen solltest, ich mache das sehr gerne.

    Ich kenne Selbstzweifel von mir natürlich genauso. Du bist schon so weit, dass du einen Roman veröffentlicht hast, ich bin da noch ganz am Anfang. Ich habe zwar als Jugendliche mit dem Schreiben begonnen, aber mich immer wieder von unachtsamen Kritiken oder ähnlichem viel zu schnell motivieren lassen. So sind die langen Texte nur Fragmente geblieben. Diesmal habe ich mir vorgenommen, durchzuhalten, egal, wie lange es dauert.

    Liebe Grüße, viel Inspiration und Licht, wo derzeit Schatten ist,

    Caroline aus Wien

    • Liebe Caroline,
      oh dein Kommentar zerstört definitiv ein paar Selbstzweifel <3 Danke dir! Die kurzen Kapitel sind meiner Schwester geschuldet 😀 Bei meinen ersten Romanen (liegen noch in der Schublade) waren ihr die Kapitel zu lang. Also bin ich ihrem Wunsch nachgekommen und habe mich für kürzere Varianten entschieden. Sie und ich sind nämlich beide der Typ Leser, der gerne ein Kapitel zu Ende liest, bevor er das Buch z.B. vor dem Schlafen zur Seite legt.
      Vielen Dank dir auch für dein Testleser-Angebot. Darauf komme ich gerne zurück. Derzeit dauert es nur leider noch ein wenig mit Perfektion II. Durch die Umstellung der DSGVO (ich habe zu viele Webseiten) ist das Schreiben im Moment komplett ins Stocken geraten.

      Ja, Kritiker können einem definitiv das Schreiben vermiesen. Da musste ich auch lernen, auf wen ich hören darf und auf wen nicht. Das ist gar nicht einfach. Durchhalten ist da wirklich sehr, sehr wichtig. Falls du noch Motivation dazu brauchst, melde dich! Schreibst du Phantastik? Dann kann ich dir auch den Tintenzirkel oder das Nornennetz empfehlen.

      Alles Liebe dir und vielen Dank!
      Laura

  2. Liebe Laura,
    natürlich kenne auch ich die Selbstzweifel. Wer kennt diese miesen Dinger auch nicht?
    Mir helfen bei solchen Attacken meistens zwei Dinge.
    Zum einen halte ich mir vor Augen, dass ich das Schreiben neben einem Vollzeitjob und weiteren zeitintensiven Hobbys betreibe und wenn ich bei allem immer 100% geben wollte, wäre ich dauerhaft bei 500% Einsatz, das hält kein Mensch auf die Dauer durch. Also muss ich mir auch Pausen durchgehen lassen.
    Und zum zweiten packe ich dann das innere Kleinkind aus und stelle mir immer wieder die Frage „Warum?, das heißt, ich fange an, zu fragen: „Warum schreibst du?“ „Weil es mir Spaß macht.“ „Warum?“ usw.
    So komme ich, wenn ich das konsequent durchziehe, zu dem, was für mich tatsächlich wichtig ist.
    Oder ich stelle fest, dass hinter irgendwas nicht wirklich stehe. Und dann kann ich die Konsequenzen ziehen, d.h. ich trenne mich davon, oder vermeide zumindest eine Wiederholung.

    • Liebe Claudia,
      vielen Dank für deine tollen Gedanken. Du hast absolut recht, dass wir nicht ständig bei allem 100% geben können. Die Warum-Fragen sind auch super, die sollte ich mir dafür auch wieder mehr vor Augen halten.
      Danke dir!
      Laura

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